Leserbrief zur geplatzten ARVATO-Erweiterung

01Februar
2019

Wolfgang Niedermeyer, Erster Vorsitzender des Vereins Stadtbild Baden-Baden e.V. und seit kurzer Zeit erfreulicherweise auch Mitglied der FBB, bezieht sich hier auf den abgesagten Neubau. Das Unternehmen in der Weststadt nimmt nun doch keine Bauoption in Anspruch. Und die Stadt schmollt.

„Da hat ARVATO im Vorfeld alles richtig gemacht: eine solide Untersuchung der Personal-, Standort- und Infrastruktur-Situation, sowie Planungssicherheit für die Zielvorgabe 250 Arbeitsplätze in einem Neubau. Damit wollten die örtlich verantwortlichen Manager eine gesicherte unternehmerische Entscheidung im Konzern herbeiführen. Der entschied aufgrund der Fakten gegen Baden-Baden.

Die Stadt als Treiber: Das wäre schön

So funktioniert unternehmerische Verantwortung und Führung. Das Rathaus sollte jetzt nicht wie eine sitzengebliebene Braut reagieren, sondern das WIE und WO von Gewerbeansiedlung selber strategisch vorantreiben. Ob der Gemeinderatsbeschluss vom Montag über ein „Gewerbeflächenentwicklungskonzept“ dafür geeignet ist, wird sich zeigen.

Das Misstrauen bei den Bürgern sitzt tief

Falls es bei dem ARVATO-Projekt wirklich nur um eine „Option“ ging, war die Kommunikation ersichtlich miserabel, da die Verwaltung im vorauseilenden Gehorsam angeblich ein Wohnhaus aufgegeben und „entmietet“ hat. Die berechtigte Ablehnung vieler Bürger und Anwohner am bisherigen Vorgehen der Verwaltung beim Projekt „Dienstleistungsbereich Aumattstraße“ wird durch das ARVATO-Desaster noch gefördert.

Wo bleibt die umsichtige Planung?

Der Bund Deutscher Architekten und die Kreisgruppe der Architektenkammer, also Leute, die Planen gelernt haben, weisen in einer kürzlich vorgestellten Presseerklärung zurecht darauf hin, dass in unserer Stadt vor Jahrzenten begonnene strategische Planungen leider steckengeblieben sind. Das Rathaus beweist aktuell strategischen Blick und Führungsstärke vor allem bei der Beibehaltung des überlangen Weihnachtsmarkts. Damit müssen wir Bürger uns zunächst begnügen.“

Foto/Visualisierung: Architrav Architekten