Ein denkwürdiger Abend mit Alexander Uhlig beim Verein Stadtbild

21April
2017

Dramatischer Wandel der Baupolitik in Baden-Baden

Der monatliche Stammtisch des Vereins Stadtbild war diesmal total überfüllt: kein Stuhl blieb frei, die Gaststätte „Goldener Löwe“ in Lichtental gestopft voll: der Erste Bürgermeister Alexander Uhlig ließ sich von Mitgliedern und Gästen des Vereins Stadtbild zu seiner Baupolitik befragen. Und hierzu gab es mehrfach Applaus für Uhlig. Welch ein Wandel gegenüber seinem Vorgänger: der war der Lieblingsfeind des Vereins Stadtbild.

Stadtbild – das ist jener Verein, der seit 16 Jahren versucht, Baukultur und Denkmalschutz in Baden-Baden miteinander zu versöhnen. Bisher war das aus Sicht des Vereins Stadtbild ein Kampf gegen die Windmühlen der Spekulation in der Stadt: die von der CDU und den Freien Wählern im Gemeinderat unterstützte Baulobby triumphierte meistens auf der ganzen Linie über Denkmalschutz und Ästhetik. Die Rathausoppositionsparteien, unter ihnen die FBB (Freie Bürger für Baden-Baden) zogen regelmäßig den Kürzeren.

Das ist nicht alles plötzlich umgedreht – aber das Klima hat sich total verändert, seitdem der neue Erste Bürgermeister Alexander Uhlig sein Amt angetreten hat. Uhlig vermittelt das vertrauensvolle Gefühl, dass er sich wirklich für unsere alte Stadt engagiert, für ihre Baukultur und ihre Stadtgeschichte, und dass er deshalb Initiativen wie den Verein Stadtbild begrüßt und als Unterstützung und nicht als Feindbild für eine Bau- und Denkmalpolitik versteht.

Es war also am gestrigen Mittwoch eine denkwürdige Veranstaltung des Vereins Stadtbild, zu der Alexander Uhlig als Gast eingeladen worden war und in welcher er (nachdem er sich jetzt ein rundes halbes Jahr in Baden-Baden eingearbeitet hatte) die Eckpunkte seiner völlig neuen Baupolitik für die Stadt erläuterte. Natürlich muss er auch er sich an einmal gefasste Beschlüsse halten (z. B. an das VG-Urteil in Sachen Vincenti-Gelände, das sei nun einmal rechtsgültig). Aber es weht mit ihm nun doch ein frischer Wind durch die Bauabteilung des Rathauses.

Uhlig ist sich der Einmaligkeit der historischen Bausubstanz der Stadt Baden-Baden nicht nur bewusst: er will sie pflegen und entwickeln. Er weiß, warum Gäste nach Baden-Baden kommen (er selbst kam, sagte er, in seiner Pforzheimer Zeit ja auch hierher, als Gast). Und deswegen macht er, so schnell es geht, auch Nägel mit Köpfen: er hat die Beschlüsse in Sachen Weltkulturerbe auf den Weg gebracht (die fehlten bisher!), und selbstverständlich könne auch innerhalb der zukünftigen Schutzzone weiterhin Neues gebaut werden, dieses neue Bauen müsse sich jedoch an Bauten wie dem Museum Frieder Burda messen lassen – jedenfalls der Tendenz nach. Das heißt: Neubauten müssen eine Qualität nachweisen, die in unsere alte Stadt passt, auch als hypermodernes Bauen.

Uhlig skizzierte seine Baupolitik: weil jeder Neubau Jahrzehnte lang das Stadtbild präge, müsse schlicht Qualität her. Damit die Stadt mit ihm leben könne. Also müsse man unter Umständen lange eben über Entwürfe reden und verhandeln, ein halbes Jahr sei da nicht zu lang, wenn ein Haus später 100 Jahre an seinem Platz stünde und betrachtet würde.

Über Entwürfe diskutieren mit Architekten und Bauherren sei immer nützlich, meistens käme dabei etwas Besseres heraus. So wurde es am Mittwoch eine lange Diskussion mit vielen Redebeiträgen, in deren Verlauf auch deutlich wurde, was Uhlig beabsichtigt. Verkürzt und in Stichworten:

* Gestaltungsbeirat der Stadt soll länger tagen

* Der Maßstab für qualitätsvolles Bauen muss hoch gehalten werden

* bezahlbarer Wohnraum hat Vorrang

* Bauland hierzu muss ausgewiesen werden

„Wir sind Baden-Baden“, meinte Uhlig. Und zum Neuen Schloss: Er hätte dem Gemeinderat versprochen, dass bei einem neuen Bauantrag der Bauherrin (der alte ist zwischenzeitlich erloschen) der Gemeinderat damit neu befasst werden würde.

Will heißen: Durchmarsch in Sachen Neues Schloss? Vorbei. Nachdenken ist angesagt.

Foto: Ben Becher