„Ein Mensch, der alles auf eine Karte setzt“

04Dezember
2018

Es gibt beeindruckende Persönlichkeiten in unserer Stadt, die, fast unbemerkt, Großes leisten. Eine davon ist Sabine Tettenborn. Sie hat im Auftrag des SWR den zweiteiligen Fernsehfilm „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ produziert, der am morgigen Mittwoch sowie am 12. Dezember in der ARD ausgestrahlt wird.

Zierlich ist sie. Doch ihre klare, feste Stimme zeugt von Entschlossenheit und Schöpfergeist: Sabine Tettenborn erzählt von Berufs wegen packende Geschichten. Seit 14 Jahren lebt und arbeitet sie in Baden-Baden. Für den außergewöhnlichen Schaffensdrang der Aenne Burda konnte sie sich sofort begeistern. Tettenborn, gebürtige Berlinerin, zweifache Mutter, Geschäftsführerin von Polyphon Pictures, hat ihr Handwerk bei dem Medienunternehmer Leo Kirch gelernt und kam 2004 nach Baden-Baden, um die Maran Film, damals Tochterfirma des Südwestrundfunks und der Bavaria, zu leiten. Auch sie weiß, so wie Aenne Burda, was es heißt, sich in einer Männerdomäne zu behaupten.

Widrige Anfänge einer Verlegerin

„Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“: Dieser Zweiteiler erzählt nicht nur die ersten fünf Jahre als Chefin des weltgrößten Modeverlags, sondern auch die einer unkonventionellen und spannungsreichen Ehe, die Aenne Burda mit dem Druckereibesitzer und Verleger Franz Burda führte. Von der Eisenbahnertochter zur betrogenen Ehefrau hin zur progressiven Vorzeige-Unternehmerin samt italienischem Liebhaber: Stoff für einen Zweiteiler bot das Leben der Aenne Burda wahrhaftig.

Drei Jahre Arbeit am Film

„Ich finde es grandios, wahre Geschichten über beeindruckende Figuren aus unserer Region zu erzählen. Gleichzeitig hat der Film internationale Strahlkraft“, freut sich die Produzentin. Bereits vor drei Jahren begann sie mit den Arbeiten. „Nachdem ich mein Konzept eingereicht hatte, bekam ich im Juli 2015 die Einwilligung von Dr. Hubert Burda, das Leben seiner Mutter beziehungsweise seiner Familie zu verfilmen. Erst damit konnten wir auf den SWR zugehen. 2016 wurden die Drehbücher entwickelt, im Frühjahr 2017 lief das Regie-Casting, ab September 2017 wurde gedreht.“

Glaube an deinen Traum

Die Figur der Aenne Burda fasziniert die Filmexpertin: „Was ich bei Frau Burda und den Badenern wunderbar finde, ist diese Sinnlichkeit: Die Freude am Leben, am Essen und Trinken – all das zeichnet für mich unser Baden aus.“ Aenne Burda hat Freude an hübschen Dingen, an Kleidern. Sie will wieder Schönheit in das Nachkriegs-Deutschland bringen. Und sie hat diese Vision: einen Verlag zu gründen. Das gelingt ihr unter schwierigen Umständen. ,Du bleibst daheim, wie sich’s gehört’ – diesem Wunsch ihres Mannes hat sich Aenne Burda widersetzt. Sabine Tettenborn: „Unser Film beginnt 1949, in der Zeit, als Aenne Burda einen Verlag übernimmt, den die Geliebte ihres Mannes führte. Sie hatte keine Erfahrung, wie man Business macht, aber sie hatte ihre Vision, für die sie furchtlos alles auf eine Karte setzte. Wir zeigen einen Menschen, der sehr mutig ist. Und weil Aenne Burda an ihren Traum glaubt, gewinnt sie.“

 

Baden-Baden: Medienstandort, aber nicht Medienstadt

Es ist ein Film, der Mut macht. Lob gab es auch von Dr. Hubert Burda: „Er hat betont, wie authentisch er den Film findet, wie er seine Eltern darin wiedererkennt. Das hat uns natürlich alle gefreut“, sagt Sabine Tettenborn. Sie bereist für ihre Produktionen ganz Europa. Denn: Eine Medienstadt ist Baden-Baden nicht. „Baden-Baden ist durch den SWR und die Vielzahl seiner Mitarbeiter natürlich ein Medienstandort. Dennoch ist jede Produktion, die ich realisiere, eine Reiseproduktion, weil Regisseure, Schauspieler, Kameraleute herkommen müssen beziehungsweise auch an anderen Orten gedreht wird. In Berlin kann man Filmprojekte leicht mit ortsansässigen Teammitgliedern besetzen, das können wir in Baden-Baden nicht.“ Doch das Reisen stört sie nicht. Die Vorteile, hier zu leben, überwiegen.

Mehr für junge Leute tun

„Für mich war es ein Glück, dass ich hier meine beiden Söhne großziehen konnte. Denn Baden-Baden bietet ein vielfältiges wie wohlbehütetes Umfeld. Ich fühle mich hier sehr wohl, kann wunderbar ausspannen und mich regenerieren.“ Eine Sache wünscht sie sich jedoch: „Ich finde es wichtig, dass wir künftig mehr Attraktivität in der Stadt für Jüngere bieten. Für sie gibt es viel zu wenig Möglichkeiten, um auszugehen.“