"Baden-Baden muss Anziehungspunkt für junge Kreative werden"

14Dezember
2018

Warum engagieren sich Bürger für Baden-Baden? Was treibt sie an? In dieser Serie stellen wir Woche für Woche ein Mitglied der FBB vor. Heute: Cornelia Mangelsdorf

Frau Mangelsdorf, seit wann sind Sie bei der FBB?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Ich bin 2014 oder 2015 beigetreten, ziemlich am Anfang also."
 
Was hat Sie dazu veranlasst?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Heinrich Liesen erzählte mir, dass die FBB sich neu gegründet habe und die Stadt entschulden, modernisieren und verjüngen wolle. Da Heinrich ein Menschenfreund ist, fleißig, klug und frei von Dünkel, habe ich mich entschieden, mitzumachen. Ich erinnere mich noch, wie ich vor der Wahl 2015 mit Marianne Raven auf dem Markt in Lichtental einen Stand der FBB betreute, um die Bürger über uns zu informieren. Das hat mir unglaublichen Spaß gemacht. Denn ich interessiere mich für Menschen, sie sind das Wichtigste überhaupt. Damit sie gut leben können in unserer Stadt und haben, was sie brauchen: Dafür will ich mich gern verwenden."
 
Welches Thema treibt Sie in Sachen Stadtpolitik hauptsächlich um?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Bildung. Weil sie die Eintrittskarte in ein gutes, selbstbestimmtes und selbstfinanziertes Leben ist. Ich bin in der Nähe von Heidelberg aufgewachsen und habe fünf Jahre in Berlin gelebt. Straßenbilder mit Studenten, einem Mix der Kulturen, schicken Leute neben weniger schicken, im Einklang miteinander: Das hat mich geprägt. Insofern ist es mir ein Anliegen, dass Baden-Baden seinen guten Namen noch besser nutzt, um noch mehr junge Menschen anzulocken beziehungsweise bei uns zu halten. Das gelänge, wenn wir Studentenstadt würden. Damit verjüngen wir uns, werden attraktiver und bekommen langfristig mehr Steuerzahler."
 
Was würden Sie gern verändern? Was sind Ihre drei Top-Themen?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Die Stadt muss mehr für Menschen tun, die begrenzte finanzielle Mittel haben. Wir müssen sozialer werden. Dazu gehört bezahlbarer Wohnraum für Familien und auch für alte Menschen mit kleiner Rente. An die denkt keiner. Schulverpflegung und Busfahren sollte großzügiger bezuschusst werden – und langfristig möglichst kostenfrei. Weiterhin sollte sich die Stadt zum Ziel machen, junge Menschen und Familien enger an sich zu binden: mit bezahlbaren Freizeitangeboten, neuen Food-, Rock- oder sonstigen Festivals, Kitas bis 20 Uhr Öffnungszeiten und familienfreundlichen Restaurants. Junge Firmengründer sollten sehr günstige Räume und Unterstützung durch ein ehrenamtliches Managernetzwerk bekommen, um sich selbstständig machen zu können und um neue Gewerbe in Baden-Baden aufzubauen."
 
Was ärgert Sie manchmal in der Stadt?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Dass das hart verdiente Geld der Steuerzahler oft zu leichtfertig ausgegeben wird. Man kann Geld auch anders investieren: mit Maß, Gewissen und einer anderen Priorisierung. Ich würde es begrüßen, wenn man Geld erstmal in Bildung und Soziales steckt und dann erst in Straßen, Plätze oder Dinge. Erst an den Menschen denken, sollte die Maxime sein. Im täglichen Leben nervt mich die Dichte der riesigen Mondautos, die die Straßen verstopfen und deren Fahrer sich anscheinend sehr wichtig fühlen, sonst würden sie vermutlich weniger oft in zweiter Reihe parken und andere damit gefährden. Kleine Autos, weniger Autos, mehr Fußgänger und kleine kostenlose E-Busse auf den Hauptachsen: Das würde mir gefallen."
 
Und worüber freuen Sie sich?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Ich wohne mit meiner Familie nun schon seit 19 Jahren hier und erfreue mich stets aufs Neue an der Architektur Baden-Badens und der Natur. Unsere Stadt ist ein Juwel und sollte als solches erhalten werden. Als leidenschaftliche Spaziergängerin liebe ich es, stundenlang durch die Wälder zu streifen und immer neue Wege zu gehen. Unser Wald ist ein Paradies, die Stadt hat eine tolle Atmosphäre. Ich gehe hier nicht wieder weg! Neulich abends spazierten wir über den Marktplatz und ich dachte wieder: Lieber Gott, ist das schön. Wir haben so viel Potenzial hier!"
 
Ihre Vision für Baden-Baden?
 
Cornelia Mangelsdorf: "Ich habe einen Traum: Baden-Baden wird in den kommenden zehn, zwanzig Jahren Standort für mehrere Hochschulen in den Bereichen Gesundheitsmanagement, Architektur und Denkmalspflege, Medien und PR, Tourismus und Gastronomie. Preiswerte Büros und Co-Working-Spaces ziehen weitere junge Menschen an. Start-ups entstehen, das Straßenbild wird bunter mit neuen und preiswerten Kneipen, Clubs, Pop-up-Restaurants und neuen, witzigen Geschäften. Jung und Alt helfen sich in Mehrgenerationenhäusern und keiner fühlt sich mehr allein oder vergessen. Baden-Baden – durch und durch lebenswert. Das wär's!"

Foto: FBB