Sicherer Bus fahren: Erste Reaktion auf unseren Antrag

24September
2018

Kaum war unser Beitrag live, meldete sich unsere Leserin Elisabeth Wirthensohn zu Wort. Sie schildert, wie sie das Busfahren erlebt. Manche Strecken meidet sie bereits, weil ihr nicht geholfen wird. Hier drückt sie nicht nur Empörung aus, sondern sie stellt uns auch eine Lösung für sicheres Busfahren vor – die das Bundesministerium für Bildung und Forschung sogar fördert. Hier lesen Sie Ihren leicht gekürzten Brief.

„Ich, als Rollator-Nutzerin, finde Ihren Antrag mehr als überfällig, denn wenn man als Gast mit Rollator vom Hauptbahnhof kommend einsteigt in den Bus nach Lichtental, muss man sich schon mal mit Händen und Sprache lauthals zur Wehr setzen, dass Touristen den Sitzplatz für in Mobilität eingeschränkte Menschen überhaupt bereit sind freizuhalten. Wenn man notgedrungen in den langen, langen Bussen hinten einsteigen muss, weil sonst der Bus wieder weg ist, wenn man einen Bus hat fahren lassen müssen, weil er, je nachdem welcher Zug einläuft, eben proppenvoll ist, kann einem das Nutzen von Bussen in Baden-Baden echt vergrault werden. Selbst wenn man eine Begleitperson dabei hat, ist die Arroganz mancher Touristen, weil Nase hochtragend und so tun, als würde man nichts gehört haben von der lauten Bitte, mir bitte Platz zu machen, nur noch beschämend, diskriminierend, stigmatisierend, übelste Kinderstube, respektlos, kein Sozialverhalten.

Busbegleiter als Lösungsvorschlag

Nun, das Ganze den Busfahrern aufzudrücken, ist nicht zielführend. Wie wäre es mit Busbegleitern auf 450-Euro-Basis? Zumindest am Hauptbahnhof, am Leopoldplatz, Hindenburgplatz, Alter Bahnhof zu bestimmten Zeiten? Im Saarland, wo ich als gebürtige Baden-Badenerin lebe, gibt es über einen privaten Anbieter, nämlich „mobisaar“, ein Projekt, das beeinträchtigte Leute bei Zug und Busfahrten unterstützt, wenn man rechtzeitig dort ankündigt, dass man beim Ein- und Aussteigen, Umsteigen von Bus auf Bahn Hilfe braucht. Das ist bezogen auf Saarbrücken und Richtung Dillingen, in Zusammenarbeit mit VdK (Anmerkung der Redaktion: Der Sozialverband VdK Deutschland e. V. ist mit fast 1,9 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband Deutschlands). Denn die Deutsche Bahn hilft nur am Bahnsteig auf Voranmeldung hin.

Auf die Hilfe anderer angewiesen

Im Übrigen kann ein Busfahrer nicht überblicken, ob alle beeinträchtigten Fahrtgäste sitzen. Ich kann leider nicht mehr in Baden-Baden vom Bahnhof aus mit den Bussen fahren. Vom Klosterplatz aus – mein Vater, 96 Jahre alt, lebt heute noch in Lichtental – bis Augusta-Platz helfen mir Fahrgäste gerne beim Ein- und Aussteigen, bieten mir selbstverständlich Hilfe an. Das kann einem am Hauptbahnhof nicht passieren: Jeder will schnell, schnell hin zum Baden-Badener Vergnügen.“

Mit freundlichen Grüßen

Elisabeth Wirthensohn

(Gemeindeobersekretärin a.D. , ich habe in den 70-ern im Rathaus Baden-Baden meine Ausbildung als Beamtin gemacht)

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