Hüpfburg oder Stadtbus Baden-Baden?

25Juli
2017

Wer ein besonderes Abenteuer sucht, sollte einmal am Bahnhof in Oos in einen städtischen Bus steigen.

Gut, die Straße in die Weststadt hinter dem Ooser Kreisel ist miserabel. Aber was dann im Bus abgeht, erweist sich als eine Prüfung der besonderen Art. Mancher Gast wähnt sich in einer Hüpfburg.

Der Bus fährt ruck-zuck los. Wer sich nicht festklammert, fällt der Länge nach hin. Doch auch wer sitzt, sollte sich ernsthaft festhalten. Denn die Fahrer fahren ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist, als ob sie ihre Fahrgäste einer Prüfung unterziehen wollten: was halten die Leute aus? Wer Postbusse in der Schweiz gelegentlich nutzt, kommt in Baden-Baden aus dem Staunen nicht heraus: während man in der Schweiz von jedem Fahrer immer freundlich begrüßt wird und  die Fahrer dann sehr rücksichtsvoll anfahren und nicht wie die Räuber über die badischen Schlaglochstrecken rasen, erlebt der Gast in Baden-Baden eine Art Götterdämmerung des öffentlichen Nahverkehrs: wenn er heil ankommt, ohne verletzt aus dem Sitz zu fallen, sollte er seinem Gott dafür danken, dass er die Fahrt gesund überstanden hat.

Wer sich die Mühe macht, nach den Ursachen zu forschen, stößt sehr schnell als Grund für die Ruppigkeit der Baden-Badener Busfahrer auf den viel zu engen Fahrplan, nach dem die Fahrer von Haltestelle zu Haltestelle drängen müssen: da bleibt für gefühlvolles Fahren keine Zeit. Zu schnell getaktet; der arme Busfahrer hetzt die ganze Zeit seinen Verspätungen hinterher. Also müssen sich die Fahrer sputen. Das bedeutet im Alltagsverkehr: drastisches Anfahren der Busse aus einer Haltestelle, viel zu schnelles Fahren auch auf schlimmsten Schlaglochstrecken, zu kurze Haltezeiten in den Haltestellen. Alles muss immer zack-zack gehen, scharfes Bremsen vor der Haltestelle, rüdes Anfahren aus der Haltestelle, viel zu schnelles Fahren über die ungewöhnlich schlechten Straßen in Baden-Badens.

Manchmal halten Busse überhaupt nicht und lassen, insbesondere morgens Schüler einfach an den Haltestellen stehen. Das kommt zwar in letzter Zeit nicht mehr ganz so häufig vor, aber dafür erleben die Schüler mit den neuen Elektrobussen ihr blaues Wunder: sie kommen zu spät zum Unterricht in die Schule, weil die Busse sehr langsam (teilweise nur 10 km!) fahren, um Batteriestrom zu sparen. Wieso kann man Fahrpläne nicht höflicher fassen? 5 Minuten mehr Zeit vom Bahnhof in die Stadt wäre doch jedem zumutbar.

Da sehnt sich mancher Fahrgast dann zurück in die Schweiz, wo der Gast aus Deutschland zunächst erschrickt und denkt, was hab ich falsch gemacht, weil er freundlich begrüßt wird, wenn er den Postbus besteigt. Das ist hier allgemeine Sitte: er wird immer und überall freundlich vom Busfahrer begrüßt, der dann seine Fahrgäste (übrigens immer pünktlich!) ans Ziel bringt und ihnen beim aussteigen noch einen guten Tag wünscht.

Das würden wir auch gerne einmal in Baden-Baden erleben.

Foto: Ben Becher