Schweizerhäuschen vor dem Abriss?

21November
2017

Das kleine Schweizerhaus steht (noch!) auf einem ehemaligen Bénazet-Grundstück, fast direkt hinter dem Kurhaus. Berühmte Leute haben hier übernachtet. Der Verein Stadtbild und die Nachbarn haben für den Erhalt dieses Kulturdenkmals gekämpft, das in einem der schönsten Gärten steht. Dieser Garten ist, wie das ganze Beutig-Gebiet, denkmalgeschützt! Allerdings wurden bereits im Frühjahr eine ganze Reihe alter Bäume abgeholzt, obwohl dies erst dann geschehen sollte, wenn eine Baugenehmigung erteilt werden würde. Die steht aber noch aus.

Noch steht das Schweizerhäuschen Parkgarten Kaiser-Wilhelmstraße 7. Es hat 80 qm Grundfläche. Man könnte hier bestens wohnen im Erdgeschoss mit ausgebautem Dachgeschoss. Aber der Investor, der das Teilgrundstück kaufte, will hier groß Kasse machen. Das zieht sich schon einige Jahre hin. Was man statt des Schweizerhäuschens ursprünglich bauen wollte, war (wie unser neuer Baubürgermeister Alexander Uhlig anlässlich einer Ortsbesichtigung feststellte) unpassend und vor allem viel zu groß. Nun gibt es also einen neuen Plan. Das erstaunliche Ergebnis: der Neubau soll noch einmal größer werden

Nun thront oben auf dem 3-geschossigen Neubau (mit ausgebautem "Keller") zusätzlich ein noch ausgebautes Dachgeschoss. Geht man von dem geltenden Bebauungsplan mit seinen Baufluchtlinien aus, so sind diese nach drei (!) Seiten hin durch den Grundriss weit überschritten. Baufluchtlinien (sie legen den Abstand zu den Nachbargrundstücken fest) sind so genannte nachbarschützende Vorschriften. Als die Nachbarn des Schweizerhäuschens bei der Anhörung vor dem Leiter des Bauamtes, Herrn Schübert, die Einhaltung des Bebauungsplanes anmahnten, meint dieser sinngemäß, Okay, das seien zwar Überschreitungen des geltenden Bebauungsplanes, aber wo käme die Stadt Baden-Baden denn hin, wenn man einem Investor nicht mehr entgegen kommen dürfte. Ja, in der Tat, wo käme man dann wohl hin? Dann müssten sich das Bauamt und der Herr Schübert an die eigenen Gesetze halten, denn Bebauungspläne sind nun mal gesetzesgleiche Satzungen, die vom Gemeinderat verabschiedet wurden, an die sich Jedermann, auch das Rathaus selbst, halten muss.

Der Neubau (das hat der beauftragte Rechtsanwalt im jetzt laufenden Widerspruchsverfahren festgestellt) überschreitet nun zusätzlich auch noch die alte Grundfläche um fast 100%. Was die geplante 4-Geschossigkeit und die Wohnfläche angeht: jetzt ist gegenüber den ursprünglich eingereichten Plänen sogar eine Überschreitung von 267% geworden! Bauvorschriften sind für die Stadtplaner offensichtlich nur ein blöder Witz von Leuten, die wissen, wie es wirklich funktioniert.

Was hier geplant ist, wirkt zudem nicht wie ein Einfamilienhaus (nur das wäre, wenn überhaupt, denkbar). Das geplante Haus ist eine hässliche fette Satteldachbude mit mindestens drei Wohnungen, wenn nicht mehr.

Wie von Anfang an fordern wir den Erhalt des  historischen Schweizerhäuschens. Es darf nicht abgerissen werden! Ein solches Gartenhaus ist (wie Beispiele in der Stadt zeigen) durchaus angemessen bewohnbar, und es gehört zur Geschichte Baden-Badens. Auch wenn Herr Schübert meint, es sei für den Bauherrn nicht zumutbar. Viele Menschen wären glücklich, bekämen sie so eine wunderbare Wohnung in einem der schönsten Gärten der Stadt (unterstellt, man pflanzt die Bäume neu).

Was hier im abgetrennten Park Kaiser-Wilhelm-Str. 7 geschieht, ist ein Skandal. Bauvorschriften wurden von Herrn Schübert zu einem dummen Witz erklärt, an die sich "Investoren" offensichtlich in Baden-Baden nicht halten müssen.

Foto: Ben Becher