Heilbad Baden-Baden

16Mai
2017

Wenn es ums Weltkulturerbe geht, dann geht es gleichzeitig um unsere Geschichte als Heilbad. Es ist eine europäische Geschichte in Baden-Baden: 

die Geschichte eines europäischen Sehnsuchtsorts. Hier trafen sich im 19. Jahrhundert alle wichtigen Staatschefs seinerzeit immer in der Sommersaison. Sie trafen sich hier, weil es die Einrichtungen (die Hotels) und eben das Heilbad Baden-Baden gab mit all seinen Einrichtungen. Das ist lange her.

Heute lässt die Stadt es sogar zu, wenn ihre Heilquellen auf dem Florentinerberg (unter dem Park des Neuen Schlosses) überbaut werden sollen. Und was macht das mit dem Heilwasser?

Vielleicht versiegen die Quellen.

Es gab mal eine Stadt Baden-Baden, die stolz auf dieses Heilwasser war. Immerhin kamen sogar die Römer nur wegen dieses Wassers (die Badruinen der Römerzeit kann man bis heute besichtigen). Rund um den Marktplatz liegen die Badeeinrichtungen des 19. Jahrhunderts – nur wie man mit diesem Schatz umgehen soll, das scheint nur noch eine Frage ängstlichen Verwaltungshandelns zu sein. Gesundheitsschädlich? Über die Jahrhunderte hinweg war dieses Wasser nicht „gesundheitsschädlich“, es wurde in Maßen (!) genutzt. Heute versucht man bestimmte (zweifellos auch giftige Substanzen) herauszufiltern. Aber damit wird das Heilwasser lauwarm und somit ein Biotop für Bakterien. Ende des Heilwassers? Das kann’s doch nicht gewesen sein, nur weil man ein Medikament (unser Heilwasser) nicht mehr richtig dosiert (bzw. möglicherweise zu lange drin badet oder zuviel davon trinkt).

Baden-Baden hatte auch mal gesunde Luft. Eine gute, gesunde Luft gehört nun mal zum Heilbad, sollte man meinen. Und wir hatten damals einen absolut modernen Nahverkehr, nämlich eine Straßenbahn. Die Schienen hat man herausgerissen und die Bahnen verschrottet. Teilweise gibt es aber immer noch nutzbare Schienentrassen bis zum Bahnhof Oos. Bis es je zu der einzig richtigen Lösung (nämlich einer neuen Straßenbahn) kommen kann, wälzt sich eine gigantische Blechlawine in unsere Stadt hinein, die nicht genug Parkhäuser hat. Und was noch schlimmer ist: es stinkt von den Autoabgasen (besonders aus den städtischen Bussen) und der Feinstaub ist so, dass er gefährlich ist für die Gesundheit. Die Stadt will das nicht wahrhaben. Sie tröstet sich mit merkwürdigen Messungen im Aumattstadium!! Ist doch alles gut!

Nichts ist gut. Baden-Baden erstickt im Verkehr. Über 600 Busse täglich über den Leo. Dazu der Privatverkehr.

Ein Heilbad braucht Luft zum Atmen. Nicht Abgase zum Ersticken. Keine verstopften lauten Plätze wie den Leo. Wir brauchen eine Stadt für Spaziergänger, wir brauchen Heilwasser, in dem man sich wohl fühlen darf (in Maßen genossen, so wie es früher schon immer Vorschrift war). Und wir brauchen kein Verkehrskonzept, das die Blechlawine ins Zentrum hinein lenkt, sondern ein Verkehrskonzept, das die Autos ausbremst und ein bürgerfreundliches Nahverkehrssystem anbietet: eine Straßenbahn.

Foto: Ben Becher