Tafelladen Baden-Baden: Wie lange noch?

02Dezember
2022

Rund 400 Kunden hat der Tafelladen in Lichtental. Die Zahl der Menschen, die hier verbilligt Lebensmittel einkaufen können, wächst stetig. Doch die Nöte dieser wichtigen Einrichtung werden immer größer.

Es wird nahezu jeder Keks rationiert – dieses düstere Bild zeichnen Insider vom Tafelladen Baden-Baden. Vorbei die Zeiten, als die Regale immer mühelos aufgefüllt werden konnten und der Bedarf der Menschen, die nicht genug Geld zum Lebensmitteleinkauf haben, leicht gedeckt werden konnte. Die Lebensmittelspenden – werden weniger. Doch der Kundenstrom bei der Tafel in Baden-Baden hat sich – vervierfacht!

Helfen unter erschwerten Bedingungen

Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen und die zahlreichen Helfer gerade über ihre Grenzen gehen, um den Tafelladen am Laufen zu halten. Thorsten Schmieder, geschäftsführender Vorstand des Caritasverbands Baden-Baden, will es nicht so weit kommen lassen, den Tafelladen schließen zu müssen. Das ist das Worst-Case-Szenario. Klar ist: Es muss Unterstützung her. Aber woher könnte sie kommen?

Eine feste Kraft – und rund 100 ehrenamtliche Helfer

Geleitet wird der Tafelladen seit 2022 von Helene Schäfer. Sie hat Lorenz Hettel abgelöst, der den Tafelladen viele Jahre mit Herzblut leitete. Ihr Gehalt wird von der Caritas bezahlt – die rund 100 Helfer arbeiten ehrenamtlich. Zu tun ist eine ganze Menge: Es müssen Waren abgeholt und eingeräumt werden, die Waren müssen verkauft werden. Und, falls doch etwas verdirbt, müssen die Waren entsorgt werden.

Die Nachfrage steigt

Immer mehr Menschen kommen nun zur Tafel, wofür Schmieder die Ukraine-Krise verantwortlich macht. Zwei Drittel der Baden-Badener Tafel-Kunden kommen laut Caritas aktuell aus der Ukraine. Doch es kommen auch immer mehr Baden-Badener, die wegen der hohen Energiekosten sich kaum mehr einen regulären Einkauf im Supermarkt leisten können. Es würden auch gern noch mehr Kunden kommen – doch seit Monaten gibt es eine Warteliste.

Baden-Baden ist kein Einzelfall

Der Ansturm auf die Tafeln ist kein Baden-Badener Problem, es besteht in ganz Deutschland. Schon im Juli wiesen die Verantwortlichen der Tafel darauf hin, dass immer mehr Menschen in Deutschland in Armut leben. Bei den Tafeln wird ihre schwierige finanzielle Lage dramatisch sichtbar: Die Zahl der Tafel-Kundinnen und -Kunden hat sich aufgrund von Inflation, Pandemie und Kriegsfolgen seit Jahresbeginn um etwa die Hälfte erhöht. Damit suchen deutlich über zwei Millionen armutsbetroffene Menschen Unterstützung bei der Ehrenamtsorganisation – so viele wie nie zuvor.

Immer mehr bedürftige Kunden

Aktuell verteilen beinahe alle Tafeln in Deutschland gespendete Lebensmittel an mehr Personen: 60,71 Prozent der Tafeln verzeichnen einen Zuwachs von bis zu 50 Prozent bei ihrer Kundschaft; 22,6 Prozent der Tafeln unterstützen bis zu doppelt so viele Menschen wie noch vor einem halben Jahr. Bei 7,59 Prozent hat sich die Zahl der Kundinnen und Kunden verdoppelt und bei 8,94 Prozent sogar mehr als verdoppelt.

Woher kommt Hilfe?

Wie es bei der Tafel weitergehen soll, wenn der Ansturm weiter zunimmt, bei gleichzeitigem Rückgang von verfügbaren Lebensmitteln: Das bleibt abzuwarten. Aktuell werden sogar Lebensmittel zugekauft, um den Bedarf der Bedürftigen wenigstens im Ansatz decken zu können. Doch es reicht hinten und vorne nicht. Und: Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand gibt es nicht. Im Gegenteil: Die Tafel muss bei der Stadt Baden-Baden sogar für die Müllentsorgung zahlen. Vielleicht wäre das ein erster Schritt, der Tafel zu helfen – indem man ihr solche Kosten einfach erlässt.

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