Rastatt bietet Hilfe bei Schlaganfall oder Herzinfarkt in hochspezialisierten Zentren

01Oktober
2019

Wie sind wir in Baden-Baden aufgestellt, wenn ein Schlaganfall oder Herzinfarkt droht? Prof. Dr. Norbert Roeder, medizinischer Geschäftsführer am Klinikum Mittelbaden*, gibt Auskunft. Interview von Cornelia Mangelsdorf.

Herr Professor Roeder, wie sieht die Notfall-Versorgung in Baden-Baden aus, für Menschen, die plötzlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erleiden?

Prof. Dr. Norbert Roeder: „Die Bevölkerung in Mittelbaden ist bei Notfällen sehr gut versorgt. Patienten, die einen Schlaganfall haben, können am Standort Rastatt des Klinikums Mittelbaden auf der neurologisch geführten Stroke-Unit mit zwölf Spezialbetten für die hoch spezialisierte Schlaganfallversorgung behandelt werden.

(Anm. der Red.: Eine Stroke-Unit ist eine Spezialabteilung für Schlaganfall-Patienten, die dort engmaschig überwacht und betreut werden). Dort werden alle Maßnahmen bei Schlaganfallpatienten auf aktuellem medizinischen Stand durchgeführt. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg erfolgt dort auch die so genannte Thrombektomie bei den Patientinnen und Patienten, die diese benötigen. Dabei wird mit einem speziellen Katheter ein längeres Blutgerinnsel aus dem vom Schlaganfall betroffenen Gebiet im Gehirn entfernt. Der Patient braucht dazu nicht verlegt werden, da die entsprechenden Spezialisten aus dem Klinikum Heidelberg dann in das Krankenhaus in Rastatt kommen und dort diese Maßnahme durchführen.“

Warum gibt es nur in Rastatt eine Stroke-Unit?

Prof. Dr. Norbert Roeder: „Um die beste Qualität für die Patienten sicherzustellen! Bis vor einigen Jahren hatte das Klinikum Mittelbaden an seinem Standort Baden-Baden Balg und an seinem Standort Rastatt jeweils eine kleinere Stroke-Unit betrieben. Die Stroke-Unit in Balg wurde neurologisch betrieben, die in Rastatt internistisch. In Deutschland haben sich jedoch neurologische Stroke-Units weitgehend durchgesetzt. Zur weiteren Verbesserung der Versorgungsqualität in Mittelbaden wurde daher die Neurologie mit ihrer Stroke-Unit von Balg nach Rastatt verlagert, um dort dann eine größere Stroke-Unit unter neurologischer Leitung für ganz Mittelbaden zu schaffen. Dies hat die Abläufe und damit auch die gesamte Versorgung noch einmal deutlich verbessert. Die neurologische Stroke-Unit des Klinikums Mittelbaden in Rastatt ist zertifiziert. Bei der Zertifizierung wurde durch externe Überwachungsorganisationen festgestellt, dass in Rastatt eine Schlaganfallbehandlung auf höchstem Niveau erfolgt. Wir sind stolz darauf, diese hohe Versorgungsqualität allen Menschen in Mittelbaden in guter Erreichbarkeit anbieten zu können.“

Und wie steht es um die Versorgung von Herzinfarktpatienten?

Prof. Dr. Norbert Roeder: „Auf dem modernen Stand der Medizin müssen Patienten mit dem Verdacht eines Herzinfarktes heute immer in ein geeignetes Krankenhaus zur schnellen Untersuchung und Behandlung gefahren werden. Als geeignet werden die Krankenhäuser angesehen, die eine invasive Kardiologie mit einem so genannten Linksherzkatheterplatz betreiben. Dort können dann sofort die den Herzinfarkt verursachenden Blutgerinnsel aus den Herzkranzgefäßen mit einem Herzkatheter entfernt werden. Der erste Linksherzkatheterplatz wurde im Jahr 2004 im Krankenhaus Rastatt in Mittelbaden installiert. 2018 wurde ein zweiter Herzkatherplatz in Baden-Baden Balg installiert. Die Notfallversorgung bei Herzinfarkten findet aber primär für ganz Mittelbaden in Rastatt statt, da hier rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr erfahrene interventionelle Kardiologen vorgehalten werden.“

Ist die Notfallversorgung damit gut aufgestellt in Mittelbaden?

Prof. Dr. Norbert Roeder: „Ja, das kann ich ohne Einschränkung sagen. Das Klinikum Mittelbaden hält für zwei schwere Notfallindikationen, nämlich den Schlaganfall und den Herzinfarkt, eine zeitnahe Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in Mittelbaden vor. Die Sterblichkeit nach Herzinfarkt ist durch die Einrichtung des Linksherzkatheterplatzes in Rastatt seit 2004 deutlich gesunken. Ebenso werden durch die Stroke-Units die Ergebnisse bei Schlaganfallpatienten deutlich verbessert. Das bedeutet, dass sie entweder mit deutlich geringeren Folgen des Schlaganfalls oder sogar wieder komplett gesundheitlich hergestellt das Klinikum in Rastatt nach einem Schlaganfall verlassen können. Das gilt auch für die Versorgung nach Unfällen. Hierfür halten wir sogenannte Trauma-Zentren in Balg und Rastatt vor. Und in Bühl findet unsere Notfallversorgung bei Handverletzungen rund um die Uhr statt. Natürlich werden auch in den anderen Fachgebieten in unseren Häusern alle Notfälle gut versorgt.

Grundsätzlich hat sich die Medizin und damit auch die Notfallversorgung weltweit und auch in Deutschland deutlich verbessert. Die dafür auf dem aktuellen Stand der Medizin notwendigen hochspezialisierten Verfahren können aber nicht an jedem Krankenhausstandort angeboten werden. Sie werden daher konzentriert auf bestimmte Krankenhäuser, die dann auch als so genannte geeignete Krankenhäuser für die jeweiligen Behandlungen ausgewiesen sind. Dies ist den Notärzten bekannt, die unter Berücksichtigung des jeweiligen Krankheitsbildes des Notfallpatienten diese jeweils geeigneten Krankenhäuser zur weiteren Versorgung der Patienten anfahren.“

* Die Klinikum Mittelbaden gGmbH ist ein regionales Unternehmen mit mehreren Standorten. Zum Verbund gehören die Akutkliniken Klinikum Mittelbaden Baden-Baden Bühl, Rastatt-Forbach, sechs Pflegeeinrichtungen im Stadt- und Landkreis, zwei Tagespflegeangebote, ein Demenz-Zentrum, ein ambulanter Pflegedienst, zwei Palliativangebote und ein Hospiz. Medizinische Versorgungszentren und weitere Tochtergesellschaften gehören ebenfalls dazu. Das Klinikum verfügt im akutstationären Bereich über rund 900 Betten in mehr als 30 Fachabteilungen, Zentren und Instituten. Gesellschafter sind die Stadt Baden-Baden und der Landkreis Rastatt.

Foto: FBB Archiv