PFC im Ooswinkel: Weitere Bodenuntersuchungen

22Juli
2022

Die Nachricht hat viele Bürger betroffen gemacht: Rund 27 der ungefähr 200 Parzellen im Ooswinkel sind mit PFC belastet. Die Stadt entnimmt nun weitere Proben und lässt diese untersuchen, um das Problem in seiner ganzen Tragweite zu analysieren.

Bei einem Bodenaustausch Anfang der 2000-er wurde altlastenkontaminierte Erde von 27 Ooswinkelparzellen durch Erde der Firma Umweltpartner Vogel ersetzt. Diese war jedoch mit per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFC, belastet. Bemerkt wurde dies letzten Monat nur aufgrund eines Zufalls. Ein Glück, denn diese Chemikalien können Umwelt und Mensch erheblichen Schaden zufügen.

Werte noch im Rahmen

Noch gibt es keinen Grund zur Panik, gehandelt werden muss dennoch. Die ersten Bodenproben belegten einen PFC-Gehalt von 0,16mg/kg. Der noch gültige Prüfwert liegt mit 14mg/kg mehr als achtzig Mal höher. Das Grundwasser im Ooswinkel ist ebenfalls belastet, hier tatsächlich mit Werten oberhalb der Prüfwertgrenze. Da das Grundwasser an diesem Standort jedoch ohnehin nicht verwendet werden darf, sieht man von Seiten der Stadt momentan noch keinen Handlungsbedarf.

Hilfe aus Freiburg

Die Stadt hat die HPC AG, ein Gutachterbüro aus Freiburg, damit beauftragt, die Situation genau unter die Lupe zu nehmen, um sich ein genaues Bild der Kontamination zu machen. „Wir wollen hier Klarheit so schnell wie möglich“, erklärte Bürgermeister Roland Kaiser. Die Gutachter sind bereits bei der Arbeit und entnehmen weitere Proben (15 bis 20 pro Parzelle, die mithilfe eines Bohrstocks gewonnen werden, der 30 Zentimeter tief in die Erde gestochen wird), nicht nur in den 27 sicher belasteten Parzellen, sondern auch in sechs bis acht weiteren. Bis Oktober wisse man dann besser Bescheid und könne planen, welche weiteren Schritte erforderlich seien und inwieweit Bürger belastet sein könnten – gegebenenfalls wären Blutuntersuchungen von Bewohnern sinnvoll.

Gefährlicher Industriestoff

Per- und polyfluorierte Chemikalien werden seit den 1960-ern aufgrund ihrer wasser-, schmutz-, und fettabweisenden Eigenschaften im großen Stil in der Industrie verwendet, etwa um Pappbecher oder Regenjacken wasserundurchlässig zu machen. Leider sind diese Stoffe dorthin gelangt, wo sie nicht hingelangen sollten: In die Böden der Felder und Wiesen in der Rheinebene.

Tierversuche legen nahe, dass PFC sowohl die Entstehung verschiedener Krebsarten fördern als auch Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit mindern. Außerdem rufen sie möglicherweise weitere Krebsarten, Schilddrüsenerkrankungen oder Asthma hervor. Aufgrund der Vielzahl von PFC-Verbindungen und deren Unterschiede ist allerdings noch nicht genau geklärt, wie groß das Ausmaß der Gefahr von PFC für Mensch und Tier tatsächlich ist.

Foto: Ben Becher