„Ich möchte ein starkes Senioren-Netzwerk aufbauen“

01November
2018

Welche Ideen oder Pläne haben die Bürger von Baden-Baden? Was treibt sie an? In dieser Serie stellen wir Woche für Woche ein Mitglied der FBB vor. Heute: Sabine Amarell.

Frau Amarell, warum engagieren Sie sich für die FBB?

Sabine Amarell: „Ich engagiere mich im Umfeld der FBB, weil es dort ehrliche, mitdenkende und aufmerksame Menschen gibt, die nicht korrupt und einer Obrigkeit hörig sind, sondern ihre Meinung offen sagen und dafür einstehen. Gemeinsam hinterfragen wir alte Verflechtungen, um diese dann stückweise aufzulösen und aus dem riesigen und vielfältigen Erfahrungsschatz neue Ideen zu generieren. Gemeinsam entwickeln wir unsere Stadt weiter zu unserem Baden-Baden 4.0.“

Wofür engagieren Sie sich schwerpunktmäßig?

Sabine Amarell: „Meine Eltern und Schwiegereltern sind über 90 Jahre alt und leben 400 Kilometer entfernt in NRW. Oft werde ich angerufen, ob ich nicht ,morgen’ kommen und die Hecke schneiden, oder die Glühbirne austauschen könne. Das ist nicht kurz mal schnell zu bewältigen. Daher suche ich nach Lösungen und Möglichkeiten, es den Senioren einfacher zu machen. Ich habe mir die Statistiken von Baden-Baden genauer angeschaut: Hier ist bereits jetzt jeder vierte Einwohner über 65 Jahre alt – das sind knapp 14.000 Menschen. 2030 wird es jeder Dritte sein.

Die Senioren in Baden-Baden sind kulturell begeistert, wohl informiert und häufig finanziell unabhängig. Sie sind meist gesund und gehören nicht zum alten Eisen. Es sind stolze Bürger der Stadt, die Traditionen pflegen und diese ehren.

Es gibt in der Region zahlreiche Unternehmen, Dienstleister, caritative Einrichtungen, Vereine, Pflegeheime und städtische Einrichtungen, die jeweils ein ganz spezielles Angebot für Senioren anbieten. Oftmals stehen diese Partner in Konkurrenz zueinander, da sie gleiche oder ähnliche Angebote anbieten und sich dadurch gegenseitig die ,Ü-65-er’ abwerben. Dadurch kommt es bei vielen Partnern dazu, dass zu wenig Teilnehmer Interesse zeigen. Verschiedene Partner sind daher schon wieder leider vom Markt verschwunden. Die Senioren werden nicht gefragt, was sie gern als Angebot nutzen möchten und Potenziale, auch von Bürgern, die sich gern aktiver engagieren, bleiben häufig ungenutzt. Daher möchte ich ein starkes Senioren-Netzwerk aufbauen.

Eine Aufgabe kann sein, alle caritativen, städtischen und eventuell auch privaten Unternehmen, die sich um die Senioren kümmern, an einen Tisch zu bekommen, um Synergien auszunutzen.

Dadurch werden Konkurrenzgedanken untereinander unterbunden und die Partner werden in ihrem eigenen Segment gestärkt.“

Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?

Sabine Amarell: „Ich habe 58 Jahre von der Liebe und den Erfahrungen meiner Eltern und Schwiegereltern profitiert und möchte ihnen etwas davon zurückgeben. Ich möchte es den Eltern und auch anderen Senioren leichter und schöner machen, sie haben es sich schließlich verdient!!!

Nebenbei ist mein Mann seit letztem Jahr ein „Ü-65ger“ und ich wachse auch so langsam in die ,Jung-Seniorengruppe’ hinein. Also machen wir es uns doch schön, solange es geht und genießen die Zeit, die vor uns liegt!“

Seit wann sind Sie bei der FBB?

Sabine Amarell: „Seit Juni 2017.“

Wie viele Stunden täglich wenden Sie für die politische Arbeit auf?

Sabine Amarell: „Ich sehe das nicht als politische Arbeit an, eher als Engagement für die Menschen hier. Es können schon mal einige Stunden sein, aber wenn es mir Spaß macht, etwas zu bewegen und andere davon profitieren, ist es ein Gewinn für mich selbst. Auf die Uhr schaue ich dabei nicht.“

Bitte beschreiben Sie uns einen klassischen Tag, den Sie der FBB widmen.

Sabine Amarell: „Es gibt für mich keinen klassischen Tag. Ich höre mich um und tausche mich mit den Menschen in unserem Kiez aus. Dann frage mich, ob die Situation gut gelöst und zufriedenstellend ist oder ob ich etwas verbessern kann. Anschließend geht es in die Gespräche, die Planung und Prüfung von Lösungsansätzen. Die FBBler helfen mir dabei mit ihrem riesigen und vielfältigen Erfahrungsschatz.“

Was wollen Sie verändern? Und warum?

Sabine Amarell: „Wir haben beruflich Station in Stuttgart, München und Münster gemacht. Was im Vergleich dazu in so einer kleinen Stadt wie Baden-Baden alles passiert, ist unglaublich.

Ich habe als Kind gelernt, dass ich nur mit dem Geld einkaufen gehen kann, was ich im Portemonnaie habe. Wie können andere es überhaupt wagen, so mit unseren Steuern, also auch mit meinem hart erarbeiteten Geld umzugehen? Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sollten in den Spiegel schauen, sich schämen und fragen, ob sie mit ihrem eigenen Geld auch so sorg- und verantwortungslos umgehen würden. Haben unsere städtischen Vertreter eigentlich gar kein Schamgefühl?“

Worüber freuen Sie sich in Ihrer (gemeinde-) politischen Arbeit?

Sabine Amarell: „Wenn durch einen kleinen Anstoß meinerseits etwas in Bewegung kommt, ich Gleichgesinnte begeistern kann und die Bürger dieses anerkennen.“

Und worüber ärgern Sie sich gelegentlich?

Sabine Amarell: „Dass Senioren und Familien mit Kindern in die Außenbezirke der Stadt oder in die Ortschaften ,ausgelagert’ werden, nur um mehr Profit durch Luxuswohnungen zu schaffen, die zum einen nicht bezahlbar sind und auch nicht nachgefragt werden.“

Foto: FBB