Eine Stadt für alle: Was Bürger sich von ihrer Stadt Baden-Baden wünschen

18September
2018

Unsere schöne Stadt hat viel zu bieten – sagen die einen. Doch man könnte noch mehr daraus machen, meinen die anderen. Viele Bürger wünschen sich eine Neubelebung der Kurstadt. Wir haben Einwohner verschiedenen Alters gefragt, was sie sich von ihrer Stadt wünschen.

Ami Setzler (33), Mutter zweier kleiner Kinder

„Ich wünsche mir eine Stadt, bei der Familienpolitik nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch gelebt wird. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum, gerade für junge Familien. Deshalb ziehen viele weg. Dadurch entgeht der Stadt eine Menge Kaufkraft; Steuerzahler verlassen die Stadt. Auch eine familienfreundlichere Gestaltung der Innenstadt würde ich begrüßen. Dazu gehören Geschäfte, deren Auswahl auch Kinder und Familien anspricht. Dies fehlt aktuell, deshalb wird das Geld woanders ausgegeben. Ich wünsche mir außerdem eine kinderfreundlichere Fußgängerzone. Es wäre doch schön, wenn dort auch mal ein Pferdchen zum Draufsitzen zu finden wäre! Wenn ich in der Stadt bin, gehe ich mit meinen Kindern gern zum sogenannten Rizzi-Spielplatz. Der platzt aus allen Nähten. Es wäre sinnvoll, diesen zu vergrößern. Dann würde den Kindern sowohl das Einkaufen in der Stadt, als auch der Spaziergang durch die Allee mehr Spaß machen. Auch familienfreundliche Restaurants fehlen, solche mit Spielecken. In den hochpreisigen Restaurants fühlt man sich unwohl, wenn man mit Kindern an der Hand hereinkommt. Was mir noch am Herzen liegt: Vereine sollten bei der Kinder- und Jugendarbeit mehr unterstützt werden, um das Angebot in allen Ortsteilen am Leben halten zu können. Kooperationen zwischen Kindergärten und Musikschulen gibt es zwar, doch nicht überall, da diese Geld kosten und sich das nicht jeder leisten kann. Gerade die Musikschule ist eine wunderbare Einrichtung, doch die Gebühren sind für viele zu hoch. Bildung für alle!“

Leander Mangelsdorf (22), Student

„Ich lebe in Baden-Baden, seitdem ich drei Jahre alt bin. Wir sind hier von einer solchen Fülle von wunderschönen Häusern und Denkmälern umgeben, wie man sie in wenigen deutschen Städten antrifft. Hier sollten die schönen Künste gelehrt und gepflegt werden. Ich finde, man sollte in Baden-Baden Architektur, Musik, Kunst und Literatur studieren können. Oder Denkmalspflege. Zumindest sollte unsere Stadt kulturell und bildungsmäßig progressiver werden und ein Ort von Interesse werden für all diejenigen, die sich mit den kulturellen Besonderheiten, die Baden-Baden zu bieten hat, intensiv beschäftigen wollen. In Baden-Baden gibt es noch immer sehr viele historische Bauwerke und denkmalrechtlich geschützte Kulturdenkmäler. Fast jedes zehnte Gebäude in Baden-Baden ist denkmalgeschützt. Insgesamt sind es rund 1.400 Objekte. Ich selbst studiere in Freiburg – doch wenn es in Baden-Baden eine Möglichkeit gäbe, würde ich diese sofort wahrnehmen.“

Ulrike Kraft (53), Angestellte

„Ich wohne mit meiner Familie in Balg. Früher gab es dort einen kleinen Krämerladen und noch ein anderes Lädchen, wo man seine Brötchen holen konnte. Auch samstags hatte es auf. Man bekam dort fast alles: frische Milchprodukte, Wurst, Kaffee, aber auch Obst und Gemüse. Doch jetzt gibt es nichts mehr: Für jeden Liter Milch muss man in die Stadt fahren. Ich wünschte mir, wir hätten wieder ein kleines Lebensmittelgeschäft hier oben! Das würde bestimmte alle freuen. Denn: Immer für eine Kleinigkeit ins Auto zu steigen, belastet die Umwelt. Und die älteren Leute, die Bus fahren, müssen extra 2,50 Euro für eine Fahrt ausgeben, um ins Zentrum zu kommen. Diese Preise finde ich wirklich überteuert. Und wenn wir schon beim Thema sind: Kostspielig ist es auch für junge Leute, die in Baden-Baden ausgehen wollen. Das wäre mein zweiter Wunsch: Dass Jugendliche oder junge Erwachsene mehr Ausgehmöglichkeiten bekommen, die man sich auch mit einem kleinem Taschengeld leisten kann.“

Foto: FBB