„Die Lichtentaler fühlen sich so langsam wie der Hintereingang des feinen Hotels Baden-Badens“

10März
2020

Mit einem Brief richtete sich Tommy Schindler, Stadtrat der FBB, an OB Mergen. Er zeichnet darin ein Stimmungsbild aus seinem Ortsteil Baden-Badens. Fazit: Die Lichtentaler fühlen sich abgehängt.

„Die Stadtwerke Baden-Baden richteten vor einiger Zeit eine Anfrage an den gemeinnützigen Verein Lichtental, ob die Vereine aus unserem Ortsteil die Festbewirtung anlässlich der Einweihung des neuen Merkurbahnhofs übernehmen könnten“, schreibt Tommy Schindler. Das Fest soll am 25. und 26. April stattfinden.

„Die Vorstandschaft hat daraufhin alle Mitglieder des gemeinnützigen Vereins angeschrieben und um Rückmeldung gebeten, wie viele Helfer bereitgestellt werden könnten. In der närrischen Zeit wurde ich, bedingt durch mein neues Amt als Stadtrat, vermehrt auf kommunale Angelegenheiten angesprochen.

Unmut in Lichtental

Im „Wilden Osten“, ,amtliche’ Bezeichnung für Lichtental, löste die Anfrage bezüglich des Fests diverse Unmutsbekundungen aus. Auf einen Satz komprimiert könnte man es so sagen: ,Wenn es ums Helfen geht, kommt die Stadt gerne auf uns zu. Aber viel zurück kommt nicht.’

Tüchtige Helfer bei Festen…

Trotz allem wissen die Vereine aber auch, dass durch solche Einsätze die Vereinskasse etwas aufgebessert werden kann. Natürlich sind die Lichtentaler stolz darauf, dass sie in der Lage sind, solche Großveranstaltungen zu stemmen. Der Zusammenhalt im Ortsteil ist nach wie vor sehr gut, was man ja beim letztjährigen Jubiläum des Musikvereins sehen konnte.

…auch in der Not

Man erinnert sich in Lichtental noch gut an die Hilfe bei der Wiederaufforstung nach dem Sturm Lothar, wo vor allem die Bevölkerung aus Geroldsau Großes geleistet hat. Dann waren da die Jubiläen des Forstamts auf dem Bußacker und das der Verkehrsbetriebe. Sie wären ohne die Hilfe der Lichtentaler Vereine so nicht möglich gewesen.

„Man fühlt sich abgehängt“

Nun aber scheinen sich nicht mehr so viel Freiwillige rekrutieren zu lassen. Dies kann daran liegen, dass es einfach ein zu großer Zeitaufwand ist. Aus persönlichen Gesprächen konnte ich aber auch entnehmen, dass man sich in Lichtental abgehängt fühlt.

Desolater Zustand der Beuerner Straße

Ganz oben auf der Liste der Kritiker steht der Zustand der Beuerner Straße, danach folgen die Ausstattung des Löwensaals und natürlich das Vereinsheim Holzhof.

Die Lichtentaler fühlen sich so langsam wie der Hintereingang des feinen Hotels Baden-Baden: Haupt- und Seiteneingänge werden poliert, während das letzte Stück, das aber auch dazugehört, vernachlässigt wird.

Ein Pluspunkt: der Spielplatz

Immerhin darf man den Spielplatz beim Holzhof lobend erwähnen, ebenso der Ansatz, im Löwensaal einen Beamer zu installieren. Beim Holzhof hat man eher zähneknirschend zugestimmt, die Räumlichkeiten der Haimbach in Zukunft mitzubenutzen. Dennoch muss man positiv bemerken, dass die Stadt für den Umbau die Materialkosten übernehmen will. Herr Schnurr musste den Organisatoren des Merkurfestes jedenfalls eine Absage erteilen. Mein Schreiben ist aber keine offizielle Stellungnahme des Gemeinnützigen Vereins.

Die Truppe fürs Merkurfest kam nicht zusammen

Die Vereine haben schon Probleme, für ihre eigenen Veranstaltungen Helfer zu bekommen. Somit dürfte wohl der Zeitaufwand ein wesentlicher Grund dafür sein, dass man für die Einweihung des Merkurs keine Truppe aufstellen konnte. Der Hinweis auf den ,Hintereingang’ ist da eher subjektiver Natur. Trotzdem halte ich es für wichtig, Ihnen mitzuteilen, wie die Stimmungslage in Lichtental ist.“


Foto: FBB-Archiv