18 Stunden täglich für die Medizin – kommt vor!

05Februar
2019

Besonders engagierte Bürger und Bürgerinnen unserer Stadt : Elke Fischer ist eine davon. Sie ist Ärztin aus Leidenschaft, kümmert sich neben der Arbeit in ihrer Praxis aufopferungsvoll um Obdachlose und Todkranke. Manchmal führt ihre Berufung sie bis nach Südostasien.

Fürs Zögern blieb keine Zeit: Als ihre Patientin, die nicht mehr lange zu leben hatte, noch ein letztes Mal auf die Philippinen reisen wollte, um die Familie zu sehen, sprang Elke Fischer ihr zur Seite. Solch ein Flug ist Schwerstkranken nur in ärztlicher Begleitung erlaubt – und nur im Liegen. „Wenn Sie niemanden finden, der Sie begleitet, dann mache ich das.“ Also stieg sie vor ein paar Wochen mit ins Flugzeug und erfüllte der Patientin ihren letzten Wunsch. Den Rückflug trat die Ärztin allein an – ihr Sorgenkind war in seiner Heimat gestorben.

Arbeiten ab sechs Uhr früh

Menschen, die Elke Fischer kennen, wissen: Eigentlich bräuchte sie zwei Terminkalender, und der Tag müsste 48 Stunden haben. Die hat er aber nicht. Deshalb schläft Elke Fischer einfach ein bisschen weniger als andere. Morgens sitzt sie oft schon um kurz nach 6 Uhr in der Praxis. Ihr Arbeitstag endet, wenn sie schlafen geht, oft schlägt die Uhr dann Mitternacht. „Ist das Arbeit, wenn man etwas gern tut?“, sagt sie und strahlt.

Hausärztin mit Herz

Vielleicht liegt es daran, dass sie auf dem Land groß geworden ist, auf einem Bauernhof – dort ist auch niemals Feierabend. Das hat die Schleswig-Holsteinerin, die vor vielen Jahren der Liebe wegen nach Baden-Baden kam, verinnerlicht.

„Als Hausärztin sieht man seine Patienten über Jahrzehnte“, erzählt sie, „man sieht ihre Kinder groß werden und erlebt, dass auch diese Eltern werden. Das Leben setzt sich fort, das ist ein schöner Kreislauf.“ Seit 21 Jahren folgt sie ihrer Berufung.

Jeden Tag volles Programm

Als ihr Mann, der ebenfalls Arzt ist, kürzertreten musste, übernahm Elke Fischer die Praxis ganz. Damals gingen ihre vier Kinder noch zur Schule. Heute studieren sie, drei davon Medizin.

Der Alltag der Ärztin ist vollgepackt: Hausbesuche oder solche im Pflegeheim stehen jeden Tag an. Sie ist im Vorstand der Ärzteschaft, nimmt regelmäßig teil an Veranstaltungen des Suchthilfenetzwerks und beim Gemeindepsychiatrischen Verbund Baden-Baden, als Netzwerkpartner für die Ärzteschaft.

Hilfe für Schwerkranke

Die hellblauen Augen leuchten, als sie von ihren weiteren Aufgaben spricht: 2008 gründete Elke Fischer, gemeinsam mit einem Kollegen und Mitstreitern aus dem Pflegedienst, das Palliativ Team Mittelbaden e.V. Dieses interdisziplinäre Team setzt sich zusammen aus fünf palliativmedizinisch erfahrenen Ärzten sowie Pflegefachkräften, Psychologen, Psychoonkologen, Apotheken, ehrenamtlich tätigen Hospizhelfern, Seelsorgern und dem jeweiligen Hausarzt eines Patienten.

Keine Scheu, wenn es ernst wird

Eine Woche im Monat hat sie hierfür Bereitschaftsdienst – neben ihrer Arbeit in der Praxis. Sie muss dann 24 Stunden am Tag erreichbar sein, für Fragen und Notfälle. Das Palliativ Team stellt für Schwer- und Todkranke spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung sicher. „Es ist eine intensive Arbeit. Unser Ziel ist es, dass die Menschen gut betreut zu Hause sterben können, bis dahin wollen wir ihre Lebensqualität verbessern. Man bekommt viel zurück, wenn man sich hier kümmert“, sinniert sie. „Anfangs sieht man sich nur einmal im Monat oder pro Woche, in der intensiven Betreuungsphase dann mitunter täglich. Da bilden sich Beziehungen.“ Mit dem Hospiz in Ebersteinburg arbeitet der Verein eng zusammen. Dorthin führt ihr letzter Weg, wenn es für die Menschen zuhause nicht mehr klappt.

Bei den Ärmsten

Ihr Tatendrang führt die Ärztin noch an weitere Orte, dorthin, wo viele gar nicht hingehen mögen. Einmal im Monat betreut sie mittwochs vormittags die Obdachlosen in Baden-Baden, behandelt dort Grippe und Bluthochdruck, aber auch schmerzende Füße, die von langer Wanderschaft gezeichnet sind. Diese Arbeit hat sie vor zehn Jahren aufgenommen.

Auch als 2015 und im Jahr darauf Ärzte gebraucht wurden, um in die Flüchtlingsunterkünfte zu gehen und die Ankömmlinge zu impfen, war sie dabei. Menschen am Rande der Gesellschaft, auf die Hilfe anderer angewiesen, berühren Elke Fischer.

Noch ein Amt

Kürzlich hat ihr Mann versucht, ein Veto einzulegen – ohne Erfolg. Denn Elke Fischer hat noch eine Aufgabe übernommen: Seit November 2018 ist sie Erste Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft in Baden-Baden. Und natürlich unterstützt Peter Fischer seine Ehefrau nun auch darin.

In aller Bescheidenheit

Gefragt, warum sie sich so viel auf die Schultern packt, antwortet sie: „Das ist mein Leben.“ Und im nächsten Moment schwärmt sie von einem Vortrag eines Arztes, den sie gerade in Freiburg gehört hat: „Es ging um die heilende Wirkung des Gesprächs. Das hat mir aus der Seele gesprochen. Denn zwischen Arzt und Patient steht für mich nicht die Medizin im Vordergrund, sondern die Beziehung. Wenn meine Hilfe ankommt, bin ich zufrieden.“