Feinstaub und Straßendreck unterm Tausendfüßler

25August
2017

Nicht nur Feinstaub sondern auch kiloweise Reifenabrieb und sonstiger Dreck weht auf die Anwohner unter und neben dem Tausendfüßler (den die Anwohner „TaFü“ nennen).

Ein großer Teil dieses Drecks, den die Anwohner zusammenfegten, ist Reifen- und Bremsabrieb, „beide sind als toxisch und krebsfördernd bekannt“.

Die Anwohner unter dem Tausendfüßler (dort wo die Stadt ein Altersheim plant! Dort, wo Sozialwohnungen gebaut und weiter errichtet werden sollen) wollten es genau wissen und sich nicht nur über den alltäglichen Schmutz ärgern, der von der Fahrbahn des Zubringers (von der Brücke) auf sie herab rieselt. Also haben sie an zwei aufeinander folgenden Tagen (dem 15. und 16. August) jeweils morgens um 9.00 Uhr den Dreck eines Tages zusammengefegt – und zwar jenen Dreck, der auf eine kleine Messfläche von 1 Quadratmeter herab gefallen war.

Rechnet man nun den aufgefangenen und zusammen gefegten Dreck auf die ganze Fläche um, dann kommen pro Tag 28,6 Kg Dreck (Reifen- und Bremsabrieb sowie grober Straßendreck) zusammen. Rechnen Sie weiter, so könnten 0,9 Tonnen (!) pro Monat oder 10,4 Tonnen pro Jahr Dreck und gesundheitsgefährlicher Abrieb auf die Anwohner herabregnen.

Zu Recht beklagen die Anwohner ihre Gesundheit gefährdende Wohnlage. Schlimmer dürfte es sein, dass die Stadt dort auch weiterhin bauen lassen will, obwohl Luft und Umwelt davon dringend abraten.

Die Anwohner haben vor einigen Tagen an das Umweltamt der Stadt Baden-Baden geschrieben und dabei auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Das Schreiben an die Umweltbehörde wurde uns zugängig gemacht, wir fügen es hier im Original bei:

Die nachfolgende E-Mail habe ich an das Umweltamt Baden-Baden geschickt. Die Nachbarschaft ist mit dem Wortlaut einverstanden.
Hans Amarell

An: umwelt@baden-baden.de
Hallo Frau Wörther,
Wir sind 2015 nach Baden-Baden in die Wörthstrasse gezogen und haben mit der Nachbarschaft guten Kontakt gefunden. Mit der Zeit lernt man auch die Probleme der Nachbarn kennen. Ich habe jetzt erkannt, dass der „Tausendfüssler“ (die Hochstrasse) und der herunterfallende Straßenstaub eines der gravierendsten und weit unterschätzten Probleme ist. Den Leuten wird erst jetzt bewusst, was da „herabregnet“. Ich höre Aussagen wie: „wenn i net jeden Tag des zusamme feg, wird’s elles schwarz“ oder „Immer wenn ich mich hinsetzten will, muss ich die Stühle und den Tisch erst sauber fegen“ (Ton einer Zugereisten).
Wir, die Anwohner, haben daher am 15.8.2017 um 9:00 Uhr und am 16.8.2017 um 9:00 Uhr den angefallenen Straßenstaub mit einer Fläche von „1m²“ unter dem „Tausendfüssler“ zusammengekehrt (s. Bild) und gemessen. Mit Straßenstaub ist nicht der gemessene Feinstaub PM10 und PM2.5 gemeint, sondern der Abrieb der Bremsbeläge und Reifen der Autos gemischt mit Straßenschmutz. Da wir Sommerferien mit geringerem PKW-Aufkommen haben, war also kein voller Betrieb auf dem TaFü und es kann bei normalem Berufsverkehr von höheren Werten ausgegangen werden.
Es kam trotzdem ein gut gestrichener Esslöffel voll Straßenstaub heraus. Das sind in 2 Tagen ca. 8 g, also 4g pro Tag und m². 1 gestrichener Esslöffel entspricht ca.10 ml Volumen, also 5 ml Straßenstaub pro Tag und m².
Nehmen wir mal an, dass der Straßenstaub 5 m rechts und links von der Strasse herunterfällt und auch in der Straßenmitte (durch die Teilung der Fahrbahn) auf 1 m Breite.
Der TaFü ist geschätzte 650 m lang.
(5+5+1) m = 11 m Breite x 650 m Länge = 7.150 m² betroffene Fläche.
7.150 m² x 4g /(m² x Tag) = 28,6 kg/Tag oder 35,8 Ltr/Tag
Das sind:
pro Tag                       28,6 kg     oder    35,8 Ltr.
pro Monat (30Tage)        0,9 t   oder    1,1 m³
pro Jahr (365Tage)        10,4 t    oder    13,0 m³

Natürlich sind diese Werte Ergebnis einer sehr einfachen Schätzung und können genauer ermittelt werden. Gewiss ist ein guter Teil davon Reifen- und Bremsbelagabrieb, beide sind als toxisch und krebsfördernd bekannt. Mit aktuell 13 m³ oder 10,4 t Straßenstaub pro Jahr ist der TaFü wirklich mehr als eine Zumutung! Wohin verschwindet dieser Müll?

Vor ca. 1 Woche wurde ein Nachbar wegen Krebs operiert. Sie werden verstehen dass wir sehr beunruhigt sind. Der Straßenstaubregen muss abgestellt werden.
Als erste überbrückende Maßnahmen schlagen wir vor:
– tägliche Entfernung des Straßenstaubs  auf der Hochstrasse auf beiden Seiten der Fahrspuren
– eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h besser noch auf 30 km/h, um das starke Beschleunigen und Abbremsen zu vermeiden, bevor die Strasse einspurig wird
– eine fest installierte Geschwindigkeitsüberwachung um oben genannte Ziele zu erreichen.
Dies gilt auch für Motorräder, denn die beschleunigen bis an die 100 km/h. Die Geschwindigkeitsüberwachung finanziert sich dann von selbst.

Ich danke für Ihr Interesse
und verbleibe mit herzlichen Grüssen“

Foto: Ben Becher