Die blaue Weihnachtsstunde

18Dezember
2020

Kein Weihnachtsmarkt und auch kein Trubel vor Kneipen. Und jetzt haben auch noch eine Vielzahl von Läden zu. Diese Vorweihnachtszeit in Baden-Baden ist im Corona-Jahr eine andere. Und doch ist vom Weihnachtszauber eine ganze Menge zu spüren. Cornelia Mangelsdorf empfiehlt die „blaue Stunde“, um ihn zu erleben.

Wenn die Sonne sich verabschiedet und die Dämmerung hereinbricht, dann legt sich eine fast feierliche Stimmung über unsere Stadt. Sie ist eben eine Schönheit, die jetzt, wenn es still und langsam dunkel wird, erst so richtig zum Vorschein kommt. Am frühen Abend dominiert das blaue Lichtspektrum, woher die blaue Stunde auch ihren poetischen Namen hat. Blau – die Farbe der Romantik.

Märchenkulisse in der Allee

Wer jetzt durch die Lichtentaler Allee streift, ist nicht allein: Zahlreiche Flaneure zieht es auf einen Abendspaziergang in ihre Stadt. Denn unser Baden-Baden hat sich herausgeputzt und wirkt noch in der Dunkelheit wie eine Märchenkulisse.

O Tannenbaum

Meine Lieblinge sind die großen Tannenbäume, die mit ihren dichten Ästen stolz dem dunklen Winterhimmel trotzen. Der erste begrüßt mich am Stadtmuseum. Auch am Brenners, Rive Gauche oder Leos erstrahlen stattliche Nadelbäume. Als wir Kinder waren und an Weihnachten zur Großmutter fuhren, haben meine Schwester und ich die Tannenbäume auf der Autofahrt gezählt. So etwas vergisst man nicht. Und noch immer staune ich über die Schönheit einer schönen Tanne: Diese Bäume duften für mich nach Frieden, ihre Lichter weisen in ein neues Jahr voller Hoffnung.

Auch ohne Gäste funkeln die Häuser

Theater und Kurhaus sind hell erleuchtet – fast so, als würden sie Gäste erwarten. Auch einige Restaurants haben sich herausgeputzt, wohlwissend, dass sie in diesem Jahr nur mit Dekoration dienen können. Die Bäume in der Sophienstraße gleichen mit ihrem Lichterschmuck einem Fabelfilm entliehen. Wie schön die Stadt jetzt ist!

Stille Nacht…

Die Menschen werden zu Nebendarstellern in dieser besonderen Abendstimmung, man sieht sie schemenhaft durch die Straßen huschen. Die Lautstärke des Tages weicht einem Wispern und Schweigen. Nur hier und da sieht man ein paar Menschen, die sich an einem Coffee-to-go festhalten.

Wer Richtung Kloster Lichtenthal durch die Allee schlendert, kann in der blauen Stunde die liebevoll dekorierten Häuser und Gärten nahe der Oos bestaunen: Hier blinkt eine Tannengirlande mit Lichtern am Balkongeländer, dort ist sogar der Pavillon mit einem Lichterkranz geschmückt. In den Häusern sind die Lampen angeknipst und geben den Blick frei auf behagliche Zimmer, in Goldlicht getaucht.

...heilige Nacht

Einen heiligen Zauber umgibt den Klosterhof: Hell erleuchtete Fenster lassen geschäftiges Backen oder Basteln hinter den dicken Mauern vermuten. Und vor dem alten Gemäuer erinnert uns ein stattlicher Tannenbaum daran, dass bald Weihnachten ist.

Wer noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, der sollte sich aufmachen und in der blauen Stunde unsere wunderschöne Stadt entdecken. Und sie mit anderen Augen sehen.

Foto: Ben Becher