Hochschulstandort, Music Nights, mehr Leben in der Allee!

05Juli
2019

ulia E.-H. macht sich für ein junges Baden-Baden stark. Hier spricht sie über Visionen und konkrete Ideen, um die Stadt zu verjüngen und die wichtige Gruppe der unter 20-, 30- und 40-Jährigen zu halten.

Frau Ernst-Hausmann, eine Statistik hat es gerade gezeigt: In Sachen Bevölkerungswachstum ist Baden-Baden das Schlusslicht in unserem Bundesland. Die Altersstruktur der Stadt ist verheerend und verspricht lediglich 0,2 Prozent Wachstum in den kommenden Jahren. Was sind die Ursachen? 

Julia Ernst: „Meiner Meinung nach ist die Präsenz von Jugendlichen und Kindern in der Stadt bei vielen nicht gewünscht. Es ist unangenehm, wenn Kinder mal lauter sind – halt einfach Kinder sind. Das stört, glaube ich, sehr viele. Ich denke, dass hier vor allem die Stadt voranschreiten müsste und eine andere Denke zeigen und leben müsste. Das wird noch viel zu wenig gemacht. Jugendliche möchten sich treffen und dabei nicht viel Geld ausgeben. Außer vielleicht im Sommer am Weißen Stein – wo können die Jugendlichen denn hingehen? Da gibt es nicht viele Möglichkeiten. Also würde man sich gerne in die Allee setzen, das stört aber viele Badener oder auch Hoteliers, daher ist es in vielen Bereichen verboten. Im hinteren Bereich der Allee, Richtung Lichtental, gibt es eine Spielwiese und eine Hundewiese. Die Hundewiese ist die größere und schönere Seite – schade für die Kinder. Und leider halten sich viele Hundebesitzer auch nicht daran, von der Spielwiese fern zu bleiben. Auch hier sollte die Stadt konsequenter vorgehen. Früher gab es auch noch den McDonalds, das war für uns auch Anlaufstelle, wiederum von vielen Badenern aber nicht gerne gesehen. Die Trinkhalle wurde nun auch in ein Café umgewandelt, früher war es eine Bar, wo man sich mit Freunden getroffen hat. H&M wird auch schließen. So verschwinden langsam alle Adressen, wo sich Jugendliche gern aufhalten – und dann wundert man sich, warum man nicht als jugendfreundlich angesehen wird. Hier muss die Stadt dringend ran.“

Wo muss man ansetzen, will man junge Menschen und auch junge Familien enger an die Stadt binden?

Julia Ernst: „Zum einen sollte man das Ausgeh-Angebot in der Stadt für Jugendliche ausbauen. Schön wäre zum Beispiel, wenn man sich vielleicht auch in manchen Bereichen der vorderen Allee auf die Wiese setzen dürfte. Dass Konzepte für neue Bars und Cafés, Start-ups, unterstützt werden. Baden-Baden als einen Hochschulstandort zu etablieren, würde hierbei wesentlich helfen. Immerhin würden dann zwangsläufig mehr Studenten und Jugendliche bei uns sein. Dann zieht das auch nach und nach die entsprechenden Unternehmen an. Und wir würden unseren Kindern und Jugendlichen die Möglichkeiten bieten, in Baden-Baden zu bleiben. Nicht jeder möchte seinen Freundeskreis und die Familie verlassen, muss es aber derzeit, da nichts geboten wird.

Eine andere Idee, welche wir vor der Kommunalwahl mit einer Diskussionsgruppe von jungen Leuten hatten, war, eine Art Music- oder Young Nights zu veranstalten. Die Idee dahinter ist, etwa einmal im Monat für Jugendliche vergünstigte Preise und Angebote in Bars und Clubs in der Stadt anzubieten und sich dann auch auf ihren Musikstil und -geschmack einzustellen. Die Allee bietet theoretisch ja die Möglichkeit, wie beim Riesenwiesenfest, hier vielleicht zweimal im Jahr Abi-Bands oder junge Musiker aus der Region auftreten lassen könnte. So könnten wir unsere Künstler fördern und gleichzeitig etwas für unsere jungen Bewohner bieten.“

Haben Sie ein konkretes Beispiel, welche Stadt es besser macht?

Julia Ernst: „In der Nähe würde ich hier Karlsruhe nennen. Die Stadt bietet hier recht viel, wie die Schlosslichtspiele, welche sich über einen längeren Zeitraum ziehen oder auch Das Fest. Generell gibt es viele Angebote an Bars und Kneipen.“

Die FBB hat mehrere Gestaltungskreise, unter anderem auch einen, der sich mit Themen beschäftigt für junge Menschen. Welche Themen stehen auf der Agenda?

Julia Ernst: „Hochschulstandort, Music Nights, die stärkere Nutzung der Lichtentaler Allee – nur um mal drei zu nennen.“ 

Und was hat Prio eins?

Julia Ernst: „Baden-Baden als Hochschulstandort. Hier benötigen wir sicherlich am meisten Zeit und Einsatz. Daher hat unser Team hiermit schon begonnen.“ 

Wo sehen Sie Potenzial, jetzt mal in Locations gedacht, etwas für junge Leute oder junge Familien zu machen?

Julia Ernst: „Wie wäre denn das Hirtenhäuschen als junges Café mit innovativem Konzept? Ansonsten gibt es ausreichend Flächen, die leerstehen.“

Sie selbst sind Mutter zweier Töchter im Kleinkindalter. Glauben Sie, Baden-Baden wird sich verjüngt haben, bis Ihre Töchter Teenager sind? 

Julia Ernst: „Ich hoffe es doch stark und ich arbeite daran. Dafür haben wir ja zum Glück noch ein wenig Zeit. Das ist aber auch der Hauptgrund, warum ich mich bei der FBB engagiere. Damit meine Kinder in einem noch besseren und vor allem jugendgerechteren Baden-Baden aufwachsen können.“