Nach dem Spiel ist vor dem Spiel . . .

17Oktober
2017

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Mit dem Erfolg in der Baden-Badener Gemeinderatssitzung vom 25.09.17, in dem sich die große Mehrheit der Stadträte – mit Ausnahme des Großteils von Grünen und SPD – verantwortungsvoll gegen die weiteren Windkraft-Planungen im Stadtwald ausgesprochen hat, ist gegen die windigen Geschäftemacher noch nicht der finale Abpfiff erfolgt.

Das Wichtigste zuerst: Die Flächen auf Baden-Badener Gemarkung sind zukünftig für Windkraft-Investoren tabu! Darauf kann man ruhig mal anstoßen. Der diesbezügliche Beschluss des Baden-Badener Gemeinderats ist ein wichtiger, wegweisender Schritt zum Schutz unseres einmaligen Landschaftsbilds sowie der Gesundheit hunderter Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Zu den Flächen auf Baden-Badener Gemarkung gehörten der Wettersberg oberhalb von Geroldsau am Rande der Schwarzwaldhochstraße und dem Nationalpark sowie ein kleiner Teil der Fläche Hummelsberg hinter Oberbeuern. Da die Verantwortung für unsere Umgebung und unsere Nachkommen aber nicht hinter der Gemarkungsgrenze Baden-Badens endet, werden wir nun den Anwohnern der zwei verbliebenen noch offenen Flanken vor Ort helfen, Windkraftanlagen (WKA) vor ihren Haustüren zu verhindern.

1. Bühl: Kurz hinter dem Wettersberg, auf Bühler Gemarkung, liegt der Kälbelskopf, auf dem die Gemeinde Bühl eine Fläche für 5-7 Windkraftanlagen (WKA) im Rahmen der Teilflächennutzungsplanung vorgesehen hat. Auch diese Anlagen wären von Baden-Baden aus sichtbar. Am meisten darunter zu leiden hätten die Menschen in Bühlertal, die nur 800 Meter von den geplanten Großindustrieanlagen entfernt wohnen und kaum eine ruhige Nacht mehr verbringen würden. Die gesundheitlichen Gefahren von einer wohnortnahen Windkraftnutzung reichen über Bluthochdruck, Herzrasen, Tinnitus, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit – für manch einen Betroffenen endet der Leidensweg in Berufsunfähigkeit. Die Immobilien in nächster Nähe verlieren dramatisch an Wert, bis zur Unverkäuflichkeit. Die Max Grundig Klinik und mit ihr 140 Arbeitsplätze wären unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Der angrenzenden Bühlerhöhe würde niemand mehr Leben einhauchen, die Schwarzwaldhochstraße hätte ein weiteres Hundseck. Wer das nicht glaubt, möge sich an die Menschen im Schuttertal/Regelsbach wenden, die seit der Inbetriebnahme des Bürgerwindparks Südliche Ortenau im vergangenen Jahr noch bis in über 2000 Meter Entfernung zu den Anlagen starke gesundheitliche Beeinträchtigungen und schlaflose Nächte erleiden müssen. Erste Bürger verlassen bereits ihre Häuser und die Heimat, um ihre Gesundheit und die ihrer Familie zu schützen. Um ein solches Szenario zu verhindern, muss sich der Gemeinderat in Bühl, genau wie in Baden-Baden, gegen die Fortführung der Windkraft-Planungen aussprechen. Zum Schutz der Bürger, unserer Natur und unseres Landschaftsbilds.

2. Weisenbach: Nicht weit hinter Oberbeuern, nur 600 Meter von Schmalbach entfernt, beginnt das Windkraft-Vorranggebiet Hummelsberg. Der größte Teil dieser Fläche gehört zur Gernsbach. Wie so oft bei diesem Thema hätte Gernsbach den finanziellen Nutzen bei der Errichtung eines Windparks, wäre jedoch nicht durch den entstehenden Lärm und Infraschall betroffen, da Gernsbach mehrere Kilometer entfernt liegt. Den Schaden, die gesundheitlichen Probleme und die schlaflosen Nächte hätten die Menschen in Schmalbach, Gaisbach, Weisenbach, Langenbrand und Bermersbach. Auch diese Anlagen (bis zu 240 Meter hoch, zum Vergleich: der Turm auf der Badener Höhe ragt gerade mal 34 Meter in die Höhe) wären von mehreren Baden-Badener Standorten dominant sichtbar und würden die Bewerbung der Stadt Baden-Baden als UNESCO-Welterbe stark gefährden. Da Gernsbach den Teilflächennutzungsplan bereits fortgeschrieben, d.h. verabschiedet hat, haben wir es hier bereits mit vollendeten Tatsachen zu tun. Mehrere Investoren interessieren sich für die Fläche, es gab sogar schon ein konkretes „Vorstellungsgespräch“ eines Projektierers, der auf dem Weisenbacher Teil der Fläche vier WKA errichten möchte. Weitere Anlagen würden folgen. Auch hier sehen wir es als unsere Aufgabe und Verpflichtung an, mit unseren Erkenntnissen dazu beizutragen, den Menschen die Augen zu öffnen und sie über die gefährlichen Nebenwirkungen einer zu wohnortnahen Windkraftnutzung zu informieren.

Wir sagen JA zu regenerativen Energien, aber NEIN zu einer wohnortnahen Nutzung der Windkraft, aufgrund derer die Gesundheit und Lebensqualität hunderter, wenn nicht sogar tausender Menschen gefährdet würde. Zumal wir im windschwächsten, aber sonnenreichsten Bundesland Baden-Württemberg durch die Nutzung von Photovoltaik und Wasserkraft einen viel intelligenteren, sinnvolleren Beitrag zur Energiewende leisten können.

Cornelia von Loga
Bürgerinitiative Windkraftfreies Grobbachtal

Foto: Ben Becher