Welches Wasser kommt aus den Leitungen in Baden-Baden?

30September
2016

Bürgermeister Michael Geggus behauptet: Das Trinkwasser ist sicher. Keine Sorge, bloß keine Aufregung! Aber Tatsache ist gleichwohl: 

ein bisschen PFC ist eben doch drin. Oder? Aber das bisschen PFC sei unter der Gefahrengrenze. Richtig? Falsch.

Das Bundesgesundheitsamt sagt: Wir wissen noch viel zu wenig über PFC (es sind Hunderte von Chemikalien, die unter diesem Begriff zusammen gefasst werden) Und wo die Gefahrengrenze liegen müsste, wissen wir auch nicht, sagt das Bundesgesundheitsamt. Also haben wir erst mal eine Grenze festgelegt, irgendeine, gewissermaßen freihändig. Es wird alles noch untersucht, und das kann dauern. Nur eines ist sicher: PFC ist gefährlich. Wie gefährlich weiß man halt nicht. Es gehört aber nicht zu den Vitaminen. Und die Grenzwerte sind – jawohl: noch nicht wissenschaftlich definierbar.

Und während dieser ganzen Diskussion fließt auch in die Brunnen der Stadt Baden-Baden im Rheintal PFC-verseuchtes Grundwasser. Das wird so weit möglich rausgefiltert, – und dann über die Vorfluter letztlich in den Rhein entsorgt. Auch nicht wirklich fein: wir schmeißen unseren Nachbarn das Gift über den Zaun.

Und ein wenig von dem PFC bleibt eben doch im Trinkwasser. Aber, wie unser Bürgermeister Geggus sagt, unser Trinkwasser ist sicher.

Darüber hat sich meine Kollegin Uschi Beer so ihre Gedanken gemacht:

Uschi Beer:

Ganz ehrlich, ich bin in Sorge und gleichzeitig überfordert all die Informationen und Medienberichte zu PFC zu verarbeiten. Was soll der Bürger noch glauben? Mein jetziger Eindruck: irgendwie sollen wir beruhigt werden – von den offiziellen Stellen und Politikern. Vielleicht will man uns auch dümmlich halten, damit wir bloß nicht weiter nachfragen, oder damit wir die unguten Wahrheiten nicht erfahren.
Sind wir mal ehrlich:

PFC, das ist ein Horrorthema, das Aufklärung braucht. Genau diese wollen wir bei FBB-Leaks nun angehen. Ein Grundsatz steht über allem, der Mensch. Wir Bürger brauchen sauberes Wasser. Wasser ist ein Lebensmittel. Sollte PFC in unserem Leitungswasser auftauchen, nachgewiesen werden, dann ist Schluss mit lustig.


Wir werden Sie, uns alle, aufklären und forschen nach folgenden Fragen und Themenkomplexen, die wir nach und nach in Angriff nehmen:
1. Was ist PFC überhaupt, ist es gefährlich für die Gesundheit? Das Kürzel verniedlicht die Brisanz, die um PFC weht.
2. Wieso ist unsere Region belastet, woher kommt das Zeug, was ist es genau? Papierschlamm & Co: Wer hat den Dreck hergestellt? Wer hat erlaubt es auf die Felder zu schütten?
3. Wo sind die belasteten Regionen, was ist betroffen?
Felder, Anbaugebiete, Bauern, Spargel, Erdbeeren & Co. Was können wir noch essen aus unserer Region?
4. Was tut unsere Lokalpolitik für uns Bürger bzw. die betroffenen Landwirte und besonders zur Gefahrenabwendung bzw. für unsere Gesundheit? Messungen, Beschwichtigungen oder echte Fakten und Wahrheiten? Hier muss besonders geforscht werden!
5. Was sagt die Landesregierung, was macht das dafür verantwortliche Ministerium, was sagt das Bundesumweltamt?
6. Was sagt unsere Verwaltung in Baden-Baden, sind wir vorbereitet in unserer Stadt?
Hier interessiert was Sache ist und ob man ehrlich ist!

Es gibt neben PFC andere, die Gesundheit bedrohende Produkte, Chemikalien usw., zu denen im ersten Schritt immer die beruhigende Aussage kam: eine Schädigung der Gesundheit kann nicht bestätigt werden, es gibt noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die Anlass zur Sorge böten. Thylol, Asbest, Feinstaub bei Mehl, Pestizide und Schädlingsmittelbekämpfung, bestimmte Medikamente etc. zunächst verharmlost und dann doch als bedrohlich erwiesen.
So weit sollten wir es bei PFC nicht kommen lassen, das Zeug ist nicht abbaubar und allgegenwärtig, und für mich, uns Bürger, ein wichtiges Thema besonders im Hinblick auf unser Grundwasser.

Foto: Ben Becher