Was ist skandalös am PFC-Skandal?

05Januar
2017

Viele Monate hat die Staatsanwaltschaft in Baden-Baden über der Akte gebrütet und nun stellt sich heraus:

nichts wird geschehen. Keine Anklage gegen den Komposthersteller, der die PFC-Abfälle als Dünger auf den Feldern im Rheintal entsorgte. Die Sache war nicht strafbar, denn entweder war die Angelegenheit verjährt oder man kann die Kompostbelastung mit PFC gar nicht beweisen.

Doch das ist gar nicht der Skandal! Es geht doch nicht darum, einen Kompostunternehmer zu bestrafen oder frei zu sprechen! Es geht um das, was nun seit Jahren feststeht: Das Grundwasser ist mit PFC verunreinigt. Es stellt eine Gefahr dar, dieses Grundwasser. Und diese Gefahr muss beseitigt werden!

Warum muss diese Gefahr beseitigt werden? Weil bisher kein Wissenschaftler genau Auskunft über „PFC“ geben kann. In der Konsequenz heißt das: man weiß nicht, wie viele Stoffe zusammen „PFC“ bilden (möglicherweise an die 900 verschiedene!). Und man weiß nicht, wie giftig das Zeug ist. (Vermutlich sehr giftig, aber niemand weiß es genau, denn die „Grenzwerte“ für die PFC-Stoffe sind unbekannt.) Das heißt aber nicht, dass PFC zu den Vitaminen gehört! Mitnichten. Mein weiß, dass viele der PFC-Stoffe extrem giftig sind. Es ist nur unbekannt, ab welcher Konzentration die Giftigkeit für den Menschen beginnt.

Da droht also eine latente Gefahr im Grundwasser. Nämlich PFC. Und die Stadtwerke nutzen dieses kontaminierte Grundwasser weiterhin, um Trinkwasser für die Weststadt Baden-Badens, Sandweier usw. herzustellen. Man tut es, obwohl man das gar nicht müsste: man könnte ja Wasser aus den Höhenlagen in die westlichen Stadtteile Baden-Badens umleiten. Warum geschieht das nicht?

Die Verantwortlichen sagen: uns kann niemand etwas Böses nachweisen, denn alles, was wir tun, ist absolut legal. Wirklich? Ist es legal, quasi einen Menschenversuch zu starten? Ist es notwendig? Nein es ginge auch anders.

Das weitere Problem ist die Bodenkontaminierung: wir wissen, die Papierindustrie hat sehr listig ihren Schlamm aus der Altpapieraufbereitung entsorgt, indem sie einen hilfsbereiten Unternehmer, der Kompostherstellung betrieb, überredete, ihre giftigen Abfälle unter seinen Kompost zu mischen. Vielleicht war es auch anders, aber das kann uns egal sein. Fakt ist, dass nun eine Gefahr im Rheintal lauert: PFC-verseuchte Äcker, an die 400 Hektar.

Staat, Gemeinde Baden-Baden und der Landkreis Rastatt sind dafür verantwortlich, dass diese Gefahr beseitigt wird. Dazu sind sie gesetzlich verpflichtet. Die Bürger interessiert weder, ob der bedauernswerte Komposthersteller oder sonst wer sich strafbar machte. Die Bürger interessiert nur, wie man die Gefahr aus dem Grundwasser herausbekommt.

Wir fragen:

Wie lange schauen die Verantwortlichen noch diesem Skandal zu?

Was wird man unternehmen, und zwar sofort?

Foto: Ben Becher