Das Obstgut am Leisberg

24Februar
2017

und die Frage, wer das Obstgut wieder aus seinem Dämmerschlaf erweckte.

Jahrzehnte gammelte das Obstgut am Leisberg vor sich hin. Die Tore blieben verschlossen, als ob dieses an die Lichtentaler Allee anschließende Paradies aus Waldrand und Streuobstwiese sozusagen vergessen werden sollte. Das funktionierte gar nicht schlecht.

Der Grund für diese Strategie war schlicht und einfach eine Spekulation á la Baden-Baden: Teile des Gemeinderates (insbesondere die CDU) fanden: Schluss mit der nutzlosen Obstbaumwiese, wer braucht heute noch angegammelte Äpfel – wir machen daraus ein Baugebiet für Millionärsvillen. Denn die Obstbaumwiese liegt prominent und direkt an der Lichtentaler Allee mit einem Traumblick auf den Merkur. Wer weiß, wie viel versteckter Gewinn in dem verwilderten Gelände verborgen ist.

Millionen jedenfalls.

Schon vor Jahren dachte der damalige Forstchef, lasst uns stattdessen das Obstgut wieder für die Bürger öffnen, und zwar ohne viel Kapital zu verschwenden. Der städtische Forst wollte der Stadt das komplette Obstgut für 1 DM abnehmen, durch den Forst fast umsonst in Ordnung bringen lassen, die Wiesen umsonst verpachten (und so pflegen lassen) und dann das Gut als Naturparadies mit Apfelbäumen für die Bürger öffnen.

Kosten: alles zusammen gerechnet 1 DM für die Stadt.

Danach geschah: nichts. Das Obstgut Leisberg blieb geschlossen, ein verwunschenes, immer mehr vergessenes Paradies direkt an der Lichtentaler Allee.

Heute, nach Jahrzehnten, scheint alles viel, viel teurer und viel komplexer.

Denn nun hat sich der bürokratische Apparat der Stadt in Bewegung gesetzt, und das ist immer teuer. Doch erst mal weiter mit der Geschichte des Obstgutes.

Denn nachdem man die Forstinitiative durch die Stadtverwaltung abmurkste, und nachdem das Obstgut der Stadt in erneuten Winterschlaf fiel, bemühte sich vor allem seit einem Jahr mit unendlicher Geduld ein Bürger aus Baden-Baden um die Öffnung der Obstbaumwiese, nämlich Stadtrat Prof. Dr. Heinrich Liesen. Teils mit Unterstützung der Initiative Unesco Kulturerbe und des Freundeskreises Lichtentaler Allee, teils mit Hilfe der Bürgerstiftung und schließlich mit Mobilisierung des Geroldsauer Bürgervereins brachte Liesen still und leise und ohne großes Trara etwas in Gang: das Obstgut am Leisberg kam neu ins Gespräch. Und zuletzt fand auch das Gartenamt (Leiter Brunsing), das sich bisher total bedeckt gehalten hatte, hier könne man etwas machen. Es wurde weit über 10.000 Euro private Spenden gesammelt, es wurden Pläne besprochen, immer mit Professor Dr. Liesen (zur Person siehe unten!) im Hintergrund. Aber natürlich alles mit Wissen des Gartenamtes.

Und dann der Hammer: Das Gartenamt lädt ein zur Pressekonferenz, nicht eingeladen Prof. Dr. Heinrich Liesen. Warum?

Das Obstgut soll geöffnet werden, erste Kostenschätzung: mehr als eine Viertelmillion (280 000) Euro. Die privaten Stifter und Initiatoren? Werden nicht einmal erwähnt! Die Geldgeber und die Bürgerstiftung? Verschwiegen. Gelobt sei das Gartenamt der Stadt.

Da hat ein Stadtrat im Hintergrund ohne großes Aufsehen einen grandiosen Erfolg fast ganz allein erkämpft und sein Einsatz wird sozusagen unter den Rasen der Streuobstwiese gekehrt! Er wird nicht mal zur Pressekonferenz eingeladen oder darüber informiert – man kann nur schließen: er soll verschwiegen werden.

Das Obstgut, um dessen Erhalt und Neuöffnung Liesen so lange kämpfte, wird für die Bürger voraussichtlich im Frühsommer geöffnet, was die Hauptsache ist. Eine Idee des ehemaligen Forstchefs wird ebenfalls realisiert: die Bürgergemeinde Unterbeuern wird Patenschaften für jeweils einen Baum an Bürger vergeben: die pflegen und ernten dann „ihren“ Baum, dazu gibt es landwirtschaftliche Aktivitäten (Schwarzrinder und Bienen). Aber was das Wichtigste ist: das Obstgut wird als Freizeitanlage für jedermann geöffnet bleiben – eine phantastische Liegewiese mehr in Baden-Baden.

Wer ist nun der Mann hinter diesen Aktivitäten?

Prof. Dr. Heinrich Liesen ist Stadtrat für die Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB).

Prof. Dr. Liesen war Uniprofessor in Paderborn; er hatte einen Lehrstuhl für Sportmedizin. Er war erfolgreich und wurde Mannschaftsarzt zunächst für die deutsche Feldhockeymannschaft, Mitglied der Medical Commission des IOC sowie vor allem dann Arzt und Leistungs-Physiologe der Fußballnationalmannschaft zur Zeit, als Beckenbauer Trainer war und mit dieser Mannschaft an Weltmeisterschaften teilnahm und gewann (WM 86 und 90). Danach baute Liesen zusammen mit Jürgen Klinsmann die Stiftung Jugendfußball auf. Liesen ist seit 2007 emeritiert und lebt in Baden-Baden. Er ist Gründungsmitglied der FBB und Stadtrat für die FBB. Hier kümmert er sich insbesondere um Gesundheits- und Kulturfragen.

Foto: Ben Becher