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12Juli
2019

Man könnte ein Theaterstück dazu schreiben: Die jüngste Posse, die sich ums Neue Schloss rankt, hat Drama-Potenzial. Der Streit um seinen Umbau bekommt eine neue Dimension: Die Investorin verteilt Schuldzuweisungen, Stadt und Presse werden abgewatscht.

Mit Geld kann man nicht alles kaufen – schon gar nicht in einem Rechtstaat. Zum Glück leben wir in einem solchen. Zum Wesen eines Staates wie dem unsrigen gehören Pressefreiheit und weitere Gesetze, die das Ziel haben, das Zusammenleben in unserem Land auf sichere Eckpfeiler zu stellen.

Gesetze und Pressefreiheit, sie scheinen jener kuwaitische Investorin, die vor vielen Jahren das Neue Schloss kaufte, eine Last zu sein.

Schuld sind die anderen

Mit einer in englischer Sprache verfassten Stellungnahme hat sich Fawzia Al Hassawi in Baden-Baden Ende Juni zu Wort gemeldet: Zum einen kritisierte sie die Berichterstattung in den Medien, zum anderen das Agieren der Stadtverwaltung. Beiden wirft sie vor, ihre Pläne zu behindern, was die Bebauung des Neuen Schlosses und des Gartens betrifft.

„Enttäuscht und traurig“ sei sie über den „respektlosen und unfairen Artikel“ in der Presse. Es ging dabei um einen BT-Bericht nach dem Vor-Ort-Termin, den die Schlossbesitzerin mit Verantwortlichen der Stadt und Denkmalschutz im Neuen Schloss hatte. Dem Gebäude war ein schlechterer Zustand als erwartet attestiert worden – das BT berichtete darüber, FOKUS Baden-Baden ebenfalls.

In Al Hassawis Schreiben hagelt es Kritik: Das Rathaus blockiere mit bürokratischen Hindernissen das Projekt, aus dem Neuen Schloss ein Luxushotel zu machen. Und die bösen Medien genauso. Böse, böse.

Die Stadt bleibt bei ihren Forderungen – zu recht

Seitens der Stadt spricht man von unvereinbaren Plänen fürs Neue Schloss, das hat Baubürgermeister Alexander Uhlig in einem Interview mit dem BNN gerade nochmals unterstrichen: Denkmalschutz und Verwaltung fordern, dass nachgearbeitet wird. Stein des Anstoßes in den vorgelegten Plänen ist die notwendige technische Infrastruktur: In die 112 geplanten Zimmer müssen schließlich Heizung, Wasser, Strom gelegt werden und das Gebäude braucht auch eine Belüftung. Deshalb reiche der aktuelle Stand an Plänen keineswegs aus. „Wir benötigen mehr Details und werden das der Eigentümerin auch mitteilen“, heißt es von Bürgermeister Alexander Uhlig. Al Hassawi muss liefern. Kommt sie dem nicht nach, wird es keine Baugenehmigung geben. Die ist vonnöten, denn die bereits vor Jahren bewilligte Genehmigung ist erloschen, es muss ein neuer Antrag gestellt werden.

Luxusbauten, auf Teufel komm raus?

Ärger ist auch deswegen progammiert, da Al Hassawi plane, in einem Neubau, der im Schlossgarten entstehen soll, keine Hotelzimmer, sondern Luxusapartments zu bauen und diese zu veräußern. Dass die Dichte an hochpreisigen Wohnungen, die leer stehen, mittlerweile unübersehbar ist, scheint man mittlerweile auch im Rathaus zu bemerken. Eine Einigung scheint nicht in Sicht.

Die Posse geht also weiter, während der schöne Schlossbau mehr und mehr verfällt. Stoff für ein Bühnenstück! Doch bitte, bitte mit Happy-End.