Tourismus im Rebland: laut Statistik steigend

09Juli
2019

Greta Hessel, FBB-Mitglied, engagiert sich dafür, dass in Baden-Baden das Thermalwasser wieder Trinkkuren dient. Auch ein Heil- und Kurweg steht auf ihrer Agenda. Die Unterstützung seitens der Verwaltung, das kostbare Gut der Stadt zu schützen, fehlt jedoch.

Frau Hessel, warum setzen Sie sich für das Thermalwasser der Stadt Baden-Baden ein?

Greta Hessel: „Prägend für einen Kurort ist das Vorhandensein natürlicher Heilmittel des Bodens, des Wassers oder des Klimas oder Möglichkeiten für eine Physiotherapie, zum Beispiel nach Pfarrer Sebastian Kneipp.

Die Kneippanlage am Merkur wurde zwar durch Spendengelder schön hergerichtet und wird auch gut besucht, aber zur Pflege dieser hat die Stadt kein Geld. Die Liegewiese ist entweder zugewachsen oder von Wildschweinen umgewühlt. Drei alte Holzliegen gammeln vor sich hin – und wenn man Pech hat, tritt man barfuß, nach Kneipp, in Hundekot. Denn Schilder fehlen, die den Hundebesitzer darauf aufmerksam machen, dass Hunde hier angeleint sein sollten. Die Kontrolle ebenfalls. Die schöne Hütte, oberhalb der Liegewiese, die Schatten und Schutz bietet, wäre eine schöne Unterkunftsstelle für solche Liegestühle, wie sie bei den Theatertagen überall in der Stadt aufgestellt wurden. Am Leo führen diese nicht wirklich zur Entspannung, wohl aber auf der Liegewiese. Die Hütte ist leider mit Tüten, Flaschen und anderen Sachen zugemüllt. Der Naturheilverein stellte schon vor einem halben Jahr einen Antrag, die Verantwortung für die Hütte übernehmen zu dürfen, dort eine Tür einzubauen und Liegen und Decken zu lagern. Doch nichts ist passiert.“

Inwieweit würdigt die Stadt ihr Wasser nicht ausreichend? Welches sind die Versäumnisse?

Greta Hessel: „Im Vordergrund einer Bäderstadt steht die Trinkkur und das Thermalbaden sowie das Entspannen und Wandeln in einer Trinkhalle und der Gang zu den Trinkbrunnen. Bad Kissingen besitzt aufgrund seiner Wandelhalle die größte Trinkkurhalle der Welt. Bei uns ist die Trinkhalle leider aktuell kein Ort, an dem sich der Badegast wohlfühlen kann, auch stehen keine Trinkbecher bereit, wie es etwa in Karlsbad gemacht wird. Dafür wurde die Trinkkur abgeschafft! Das Thermalwasser aus den Brunnen wurde mit dem Hinweis ,kein Trinkwasser’ beschriftet! Hier fühlt sich der Badegast vorgeführt.“

Was sind Ihre konkreten Ziele?

Greta Hessel: „Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass Baden-Baden die Kriterien einer Bäderstadt erfüllt, dass sollte auch im Sinne der Oberbürgermeisterin sein, in Bezug auf den Antrag für das Weltkulturerbe. Die aber unseren Antrag auf einen Heil- und Kurweg ignorierte. Während in anderen Städten diese Idee freudig von den Tourismusbehörden aufgenommen wird, dümpelt Baden-Baden vor sich hin und nutzt seine Möglichkeiten nicht.“

Wie können diese Ziele erreicht werden?

Greta Hessel: „Die Stadt muss entschleunigt werden, das ist auch im Sinne des Bürgers. Da ich als Fußgängerin von einem Auto mitten in der Stadt angefahren wurde, halte ich es dringend notwendig, mehr Zebrastreifen anzubringen.“

Wie beurteilen Sie das Ansinnen, im Schlosspark des Neuen Schlosses Wohnungen zu bauen? Immerhin entspringen dort die Quellen.

Greta Hessel: „Alle Quellen in der Stadt müssen geschützt und gewürdigt werden, besonders die Ursprungsquellen. Das Neue Schloss ist mittlerweile ein Schandfleck und entspricht in seinem Dämmerzustand nicht der Idee einer lebendigen Bäderstadt. Das romantische Stadtbild der Bäderarchitektur aus dem 19. Jahrhundert wurde außerdem durch eine brutale ,Bunker-Architektur’ in sehr störender Weise verunstaltet, ohne dem gewachsenen städtebaulichen Charakter Rechnung zu tragen. Anstatt die Bäderkultur zu unterstützen, wird gestritten und prozessiert auf Kosten des Bürgers. Welche Anmaßung ist es nun, sich als Weltkulturerbe zu bewerben und nicht mal die Hausaufgaben zu machen!“