„Kinder brauchen unsere Unterstützung“

16Oktober
2018

Herzblut, unermüdlicher Fleiß und viel Engagement für „ihre“ Kinder: Evi Wandler, Rektorin der Grundschule Varnhalt/Neuweier, hat seit gut einem Jahr noch ein weiteres Amt übernommen: Als Geschäftsführerin der Hector Kinderakademie fördert sie, zusammen mit ihren Mitstreitern, rund 200 begabte Kinder. Vergangenen Samstag hat sie für den einjährigen Geburtstag der Kinderakademie ein Fest ausgerichtet, das allen einfach nur Freude machte. Im Mittelpunkt standen: glückliche Kinder.

Stillstand kennt sie nicht. Klar, dass eine Rektorin wie sie Turnschuhe trägt, bequeme schwarze Jeans und ein Snoopie-T-Shirt unter dem Blazer. Evi Wandler ist immer in Bewegung. Es scheint ihr Lebensprinzip zu sein, sich ganz und gar in den Dienst derer zu stellen, die eine Lobby brauchen: kleine Menschen. Dass sie ein Herz für kleine aufgeweckte Geister hat, spürt man sofort. Und auch, dass die Rasselbande, die in der Turnhalle singt, tanzt und spielt, richtig gut drauf ist.

Ein Lob auf die Kinder

„Kinder sind wissbegierig, pfiffig, sozial, sie haben keine Vorurteile, dafür Gerechtigkeitssinn, sie sind kritisch...liebe Kinder, toll, dass ihr uns immer so viele Fragen stellt“, sagte die Rektorin ganz zu Beginn. Herzlich und unterhaltsam fiel die Begrüßung für ihre Schützlinge aus, bevor die Varnhalterin alle anderen Gäste würdigte. Kinder wie Eltern, Dozenten, Schuldirektoren und anwesende Politiker waren sofort eingenommen von der besonderen Atmosphäre in der Grundschule Varnhalt. Weil spürbar war: Hier sind alle mit Leib und Seele dabei. Dass die Gäste von den Kleinen auf Englisch, Spanisch und Japanisch begrüßt wurden, fand später lobende Worte von Bürgermeister Roland Kaiser, der sichtlich angetan war von so viel sprühender Energie.

Beruf? Nein, Berufung

Rektorin an der Grundschule Varnhalt ist Evi Wandler schon seit vielen Jahren. Auch ihr Vater war Schulleiter – die Leidenschaft für diese Aufgabe scheint in der Familie zu liegen. Seit gut einem Jahr schon wählt die Mutter zweier Kinder begabte Grundschülerinnen und Grundschüler aus, die anschließend bei den kostenlosen Kursen mitmachen dürfen. Dafür sind unzählige Gespräche nötig, viele Stunden Arbeit fallen hierfür an. Und natürlich muss bei jedem Kind genau überlegt werden, was gut für es ist. „Das Potenzial der Kinder ist unglaublich, es ist unser Auftrag, ihnen zu helfen, sie musisch, wissenschaftlich und sozial zu fördern“, sagt die Pädagogin. Und so hat sie nicht lang gezögert, als man ihr antrug, sich in Baden-Baden um die Hector Kinderakademie zu kümmern.

Kurse für wissensbegierige Kinder

Dort können nun Grundschüler auf Empfehlung ihrer Lehrer Japanisch lernen, einen Trickfilm produzieren, mathematische Rätsel lösen, eine Ampelanlage bauen und vieles mehr. Das Kursangebot der Hector Kinderakademie Baden-Baden, die durch das Land Baden-Württemberg gefördert wird, ist eine große Bereicherung: Es gibt rund 50 Kurse im Schuljahr, die etwa das Gymnasium Hohenbaden, der Südwestrundfunk, die Stadtbücherei und viele andere mittragen. Auch dank des persönlichen Netzwerks der Schulleiterin können Kinder zum Beispiel auch in einer Baden-Badener Arztpraxis ausprobieren, wie ein Ultraschallgerät funktioniert, oder von einem deutsch-norwegischen Geschichtsstudenten einen Kurs über die Wikinger belegen. Im kommenden Jahr wird es auch eine Veranstaltung geben, bei dem man erfährt, wie man Bürgermeister wird, er trägt den launigen Namen „Wie wird man Chef im Rathaus?“.

Ob Kunst, Sprache, Politik oder Physik: Die freiwillige Förderung weitet den Horizont und gibt wissbegierigen Kindern Nahrung. Evi Wandler und ihre Mitstreiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, begabte Grundschulkinder auf hohem Niveau zu fordern und zu fördern. Das Angebot richtet sich an Kinder in der zweiten, dritten und vierten Grundschulklasse. Eine besondere Prüfung müssen die Kinder dafür nicht ablegen.

Kleine Meister

Das, was sie bewerkstelligen, kann sich sehen lassen: Eine Gruppe von sechs Kindern hat mit ihrer Dozentin zum Beispiel einen Film gedreht Flüchtlingskinder. Er erklärt ihnen, wie es in einer deutschen Schule zugeht und hilft den fremden Kindern nun, sich schneller einzufinden. Und das kleine Mädchen, das die Gäste anfangs auf Japanisch begrüßte, tat das nach nur einem Jahr Lernen so flüssig, dass die Zuhörer staunten.

Sich engagieren – ein Quell der Freude

Evi Wandler hat jetzt noch mehr zu tun als vorher. Sie darf, von ihrem Zeitkontingent als Rektorin, sechs Stunden wöchentlich für die Begabtenförderung abzwacken. Kinder, die von Grundschulen im Umkreis als begabt eingestuft werden, schickt man zu ihr. Sie entscheidet dann, ob das Kind die besondere Förderung der Hector Kinderakademie bekommt. „Kinder beobachten das Können der Menschen, nicht ihre Defizite“, sinniert die passionierte Pädagogin. Und man spürt, dass sie diesen Satz nicht einfach aufsagt, sondern verinnerlicht hat.

„Kinder brauchen uns. Dank an alle, die sich engagiert haben“, sagte sie den Helfern. Und gab den Erwachsenen noch einen ganz persönlichen Wunsch mit: dass wir alle begierig bleiben, lebenslang zu lernen. Und schon ist Evi Wandler wieder in Bewegung und schneidet die riesige Geburtstagstorte an.

Foto: FBB