Wie belebt man den Handel?

29Juni
2018

Neulich im Gemeinderat beschloss man, den Einzelhandel der Stadt mit viel Geld zu beleben. Beim Nachdenken wird klar: das ist der falsche Weg. Erst müssen Ideen her, danach kann man für sie werben!
Die Stadt Endingen im Kaiserstuhl hat es vorgemacht (und nebenbei dafür auch noch einen Preis gewonnen). Man wollte seine hübsche historische Altstadt beleben. Nur wie? Also suchte man eine Idee, hatte keine und holte eine Werbeagentur an Bord der Stadtverwaltung. Die kam auf eine (prachtvolle, funktionierende Idee): einen Brotmarkt für die kleine Stadt. Und siehe da: soviel Gäste in der Stadt, dass die Straßen gepackt voll ausschauten. Das, was die kleine Stadt im Kaiserstuhl machte, war weise und der richtige Weg in der richtigen Reihenfolge: nicht aufs Blaue hin werben (Endigen ist super schön und prachtvoll alt) sondern erst mal eine Idee und ein Konzept für eine Belebung der Altstadt entwickeln und danachdie Werbetrommel anschmeißen. Das machen Einzelhändler doch auch in eigenen Angelegenheiten: erst mal eine Aktion überlegen und danach diese bewerben. Baden-Baden macht es umgekehrt: ohne Idee werben. Um es klar zu sagen: damit schmeißt man Geld zum Rathausfenster hinaus.

Wie also vorgehen? Erst mal ein Ideenwettbewerb. Was könnte in den Straßen der Stadt geschehen? So wie auch Rastatt vorging: erst die Idee mit dem Straßentheater, dann diese Idee bewerben (die Idee erwies sich fast schon als Selbstläufer!). Und siehe da: Tausende kamen, waren begeistert und werden deshalb auch wieder kommen. Was wir also brauchen ist eine Aktion in der Stadt. So wie beispielsweise das Boogie-Woogie-Festival, das leider untergegangen ist. Da kamen Tausende. Künstler in der Stadt wäre schon mal eine Idee. Überall in der Stadt. Gaukler und Zirkusgruppen oder ausgesuchte Straßenmusikanten usw. Immer dann, wenn etwas Interessantes in den Straßen und Gassen der Stadt passiert, wenn frisches, duftendes und altmodisches Brot (wie in Erdingen) oder Lustvolles (Straßentheater wie in Rastatt) angeboten wird, dann kommen die Leute, und die Innenstadt füllt sich mit Passanten von Außerhalb. Und wenn sie sich satt gegessen oder gesehen haben, kommen sie auch wieder.

Eines jedoch geht nicht: einfach ins Blaue hinein werben. Wofür denn? Weshalb soll ich nach Baden-Baden kommen? Weil es schön alt und irgendwie mondän ist? Das ist kein Programm. Außerdem wusste man das irgendwie schon. Wir haben Programme, aber keine Programm! Das Festspielhaus ist ein Programm (und wirbt sehr erfolgreich für sich selbst) ebenso wie das Frieder-Burda-Museum oder das LA 8. Die alle haben ihre Kunden. Wenn es um den Einzelhandel geht, dann bitte erst mal eine Idee für ein Programm, und erst danach Werbung. Alles andere ist Geldverschwendung. Stadtrat Martin Ernst von den Freien Bürgern für Baden-Baden (FBB) hat die Unterlagen zu der preisgekrönten Aktion in Endingen am Kaiserstuhl Oberbürgermeisterin Margret Mergen als Anregung zugeschickt. Wir kümmern uns, die FBB kämpft für Sie!

Foto: Ben Becher