Trotz Weihnachtsgeschäft

22Dezember
2017

Ob der Handel noch bis Weihnachten die Verluste aus der Leo-Baustelle aufholen kann ist mehr als fraglich. Zumal die Leo-Baustelle nicht der einzige Grund für die Einbrüche im Einzelhandel ist:
auch der Online-Handel (also hauptsächlich wohl Amazon) macht den Kaufleuten in der Innenstadt und in der Shopping-Cité heftig zu schaffen. Wer genau hinschaut, kann es sehen: es gibt Leerstand in der Stadt. Doch der Stadtverwaltung fällt nichts ein, um diesen Trend zu kippen. Die Leo-Baustelle hätte schon lange geschlossen sein müssen – war sie aber nicht. Die Fußgänger mussten lästigen Baulöchern ausweichen, zwischendurch quälen sich seit kurzem wieder die Busse durch enge Passagen zwischen Bauzäunen: so richtig gemütlich geht es am Leo nicht zu. Wer will da einen Einkaufsbummel machen? Dabei hatte die Stadt zugesagt, die Baustelle Ende November komplett zu schließen und zu asphaltieren, was nicht geschafft wurde. Und wenn man in die anderen Stadtteile schaut, dann gähnt einen hier und da der Leerstand an: Geschäfte haben dichtgemacht, oder kämpfen auf verlorenem Posten gegen die Schließung. Und was unternimmt die Stadt?

Für die Stadt Baden-Baden ist das Versprechen, hier gemütlich und stilecht einzukaufen, existenziell. Wenn das nicht mehr möglich ist, stirbt die Stadt. Anderen Städten geht es ähnlich. Baden-Baden steht da mit anderen Städten in einer „Gefahrengemeinschaft“. Was in die Shopping-Malls abwandert, was im Internet gekauft wird, ist für den Handel der Innenstädte verloren. Fachleute bezweifeln, ob dieser Trend überhaupt noch zu kippen ist. Andererseits: wenn man die Einzelhändler der Innenstädte endgültig kaputt machen will, dann muss man nur die Mieten weiter erhöhen (sie sind bereits jetzt extrem hoch). Oder man muss Baustellen wie den Leo so breithüftig angehen, wie in Baden-Baden geschehen. Und was danach weg ist an kleinen lustigen Händlern, das bleibt auch verschwunden. Wie gesagt: die Stadt Baden-Baden braucht ein pfiffiges Konzept, um ihren Einzelhandel (eventuell) doch noch zu retten.

Ein Konzept könnte beispielsweise bedeuten: die Stadt kauft sich ihre Einkaufsmeile zurück. Das heißt: sie drückt die Mieten der Innenstadt-Geschäfte. Das wird teuer. Denn in den meisten Fällen würde das bedeuten, dass die Stadt Innenstadtgeschäfte bzw. die Häuser zurück kaufen müsste um danach die Mieten herab zu setzen. Dadurch könnte die Innenstadt wieder mit kleinen, individuellen und originellen Geschäften besiedelt werden, welche es nur hier gibt, in Baden-Baden. Und dadurch könnte dann nach und nach wieder ein Sog für Besucher entstehen, die hier das Besondere finden und nicht nur Filialen, die es überall gibt. Und es würde bedeuten, dass nicht (wie kürzlich geschehen) die Shopping Cité sogar noch die Erlaubnis erhält, sich zu erweitern. Hier fehlt einfach ein durchgreifendes Konzept, über das diskutiert werden sollte.

Klar ist: wenn nichts geschieht, wenn der Einzelhandel weiter durch Extremmieten und Baustellen behindert wird, wenn weiterhin Kaufkraft aus der Innenstadt abgezogen wird, weil die Kunden hier nicht mehr das Besondere finden, dann stirbt die Stadt von innen her. Und zwar endgültig.

Foto: Ben Becher