Shopping-Cité

05August
2016

„Handelt es sich um Naivität oder Gleichgültigkeit?“ Das fragt sich die Fraktion der Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) nach der Auflistung der Investoren des Einkaufzentrums Shopping-Cité durch OB Mergen in der letzten Gemeinderatssitzung am 25. Juli.

Die OB wollte wohl mit der Verlesung von Firmen, Fonds und Anlegern der Kritik von FBB-Stadtrat Martin Ernst entgegentreten. Doch für die Geschäftsinhaber der Innenstadt wurde so deutlich, wer eigentlich ihr Gegner ist.

Die Eigentümer der Shopping Cité können nun vermehrt Waren anbieten lassen, die es bisher nur in der Innenstadt gab. Gleichzeitig kämpfen die Händler der Innenstadt um ihr Überleben. Das Geflecht aus zahlreichen Investorenfonds, das die OB als Eigentümer der Cité benannte, schöpft den Profit der Shopping-Cité ab und hat sozusagen durch die gemeinderätliche Hintertür mal eben 900 qm mehr Verkaufsfläche genehmigt bekommen. Hört sich zunächst gar nicht so schlimm an.

Nun kommt’s aber: Von der neuen Gesamtfläche von 18.900 qm dürfen zukünftig auf 2.200 qm „innenstadtrelevante“ Warengruppen angeboten werden. Daraus lassen sich locker bis zu 30 neue Läden in der Cité gewinnen. Die dann in Konkurrenz zu den Händlern der Innenstadt treten. Da muss der Käufer dann nicht mehr hin. Deswegen hat die FBB-Fraktion zum Schutz der Innenstadt-Geschäfte gegen die Erweiterung gestimmt, immer wieder. Vergeblich.

Gleichzeitig setzt sich in der Innenstadt ein negativer Trend fort: Familiengeführte kleine Geschäfte mit individuellen Angeboten weichen Ketten großer Marken. Nun hat die Stadtverwaltung zwar keinen Einfluss auf die Vermietung privater Flächen und die verlangten Mieten. Doch über die Vermietung von Flächen in den der stadteigenen Gesellschaft für Stadterneuerung und Stadtentwicklung (GSE) gehörenden Gebäuden in der Innenstadt könnte ein Ausgleich geschaffen werden. Die Vermietung eines zentralen Ladens an Vodafone geht aber genau in die umgekehrte Richtung.

Bleibt die Frage: Ist der Oberbürgermeisterin und der Stadtverwaltung eigentlich bewusst, dass sie dabei sind, die Innenstadt und damit die Lebensgrundlage von Baden-Baden und seinen Bürgern zu zerstören? Denn ohne ein individuelles und reichhaltiges Warenangebot wird kein Anreiz auf Besucher ausgeübt. (Link zum alten Artikel bei FBB-Leaks)

Für alle sonstigen Oberbürgermeister Deutschlands ist der Erhalt der Kaufkraft in ihrer Innenstadt oberstes Gebot. In Baden-Baden gilt dies offenbar nicht mehr. Noch schlimmer: Die Einzelhändler in der Innenstadt werden durch die in Kürze startende jahrelange Sanierung des Leopoldplatzes, unserem „Leo“, noch weiter geschwächt. Käufer werden wegbleiben und höchstwahrscheinlich in die Shopping-Cité abwandern. Ob diese je wieder zurück gewonnen werden können, wo sie nun doch dort alle Warengruppen der Innenstadt vorfinden?

Die OB und die Mitglieder des Gemeinderats wurden von den Bürgerinnen und Bürgern des Stadtkreises Baden-Badens gewählt, um ihre Interessen und nicht die eines englischen Fonds zu vertreten.

War wohl ein Irrtum!