Cité: kein anonymer Eigentümer?

29Juli
2016

Martin Ernst von der Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) hatte die Erweiterung der Shopping-Cité unter anderem mit dem Argument bekämpft: man kenne den anonymen Eigentümer der Shopping-Cité nicht – den Einzelhandel in der Baden-Badener Innenstadt aber wohl.

Warum einen anonymen Steuersparer begünstigen, der irgendwo im Nirgendwo lebt und den eigenen Einzelhandel in Baden-Baden schädigen. Nun behauptet die Oberbürgermeisterin unserer Stadt: sie kennt ihn und stellt ihn vor. Voila!

Oberbürgermeisterin Mergen lässt tapfer verkünden, sie kenne die Eigentümer der Cité. Naja. Sie nennt eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die „Oos Center Baden-Baden GmbH“. Diese sei jedoch eine Objektgesellschaft (also wohl Tochtergesellschaft?) eines „Herald Fonds“.Dieser Herald Fonds heißt aber in Wirklichkeit „Henderson European Retail Property Fund“. Und der wiederum sei 2005 durch die Henderson Global Investors aufgelegt (heißt wohl: gegründet) worden. Der Herald Fund betreibt Einzelhandelsgeschäfte. Und dieser „Fund“ sei nichts Anonymes (behauptet das Rathaus), vielmehr eine Gruppe von Investorengesellschaften. Sind diese Investoren nun die konkreten Frauen und Männer, die ihr Geld investieren? Weit gefehlt: Diese Investoren sind leider nicht benennbar, nicht mal durch das Rathaus in Baden-Baden. Es ist vielmehr ein Fonds, in dem „institutionelle Anleger, unter anderem auch deutsche Versicherungen“ Geld anlegen, sagt das Rathaus. Gut anlegen wollen. Für sich selbst? Nein für Versicherte. Und kennen wir die? Ebenfalls nicht.

Was denn nun? Verwaltet werden die Grundstücke (also auch wohl die Cité in Baden-Baden) laut der Oberbürgermeisterin von der Henderson/TH Real Estate. Und wem die gehört und wer als reale Person dahinter steht, das weiß der liebe Gott allein, wenn er einen Steuerberater und Anlagenspezialisten unter seiner Engelschar findet.

Das ist doch alles Wörtermatsch.

Was man zum Hintergrund wissen sollte: Die Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) hatte im Gemeinderat von Baden-Baden gegen die Sortimentserweiterung der Shopping Cité gestimmt. Neben vielen anderen Gründen hatte Stadtrat Martin Ernst sinngemäß argumentiert, dass die Stadtverwaltung doch nicht einen anonymen Investor begünstigen dürfe (nämlich eine Briefkastenfirma), wenn man dadurch gleichzeitig den eigenen Einzelhandel in der Innenstadt schädige. Nun ist es angeblich keine Briefkastenfirma – sondern eine aus anonymen Menschen zusammengesetzte Geldverwaltungsmaschine. Eine englische übrigens.

Die Oberbürgermeisterin lässt verkünden, sie kenne die Eigentümer. Soll sie die Eigentümer doch mal benennen! Sie kennt nicht einen einzigen Eigentümer! Aber die Bürger in Baden-Baden kennen zum Beispiel jenen Kaufmann, der hinter WAGENER steht. Und sie kennen die Einzelhändler, die meist Tag um Tag persönlich in ihren Geschäften und Läden anzutreffen sind. Diese Einzelhändler werden durch die Konkurrenz der Cité mit reichlich Parkplatz geschädigt und gleichzeitig noch durch den Umbau des Leo behindert.

Und von der Stadtverwaltung veralbert.

Wer steht uns eigentlich näher? Unsere Innenstadt oder irgendein Herald Fonds mit völlig undurchsichtigen Verschachtelungen und (eben doch, jawohl völlig) anonymen Eigentümern. Die CDU und die Mehrheit im Gemeinderat begünstigen Anlageinteressen von möglicherweise auch Versicherungen. Darunter sind vielleicht auch deutsche Versicherungen. Laut einem Handbuch für Anleger erwirtschaftet dieser von der Oberbürgermeisterin benannte Fonds eine Rendite von angeblich 13 %! Ein Mordsgeschäft zu Lasten der Einzelhändler in der Innenstadt von Baden-Baden! Das Geld, das in der Cité gewinnbringend angelegt wird, fließt wohin? Irgendwohin! Mit Hilfe des Baden-Badener Rathauses. Wer weiß, vielleicht bekommen auch Deutsche Versicherungsgesellschaften ein bisschen was ab. Jedenfalls fließt der Gewinn an den Einzelhändlern von Baden-Baden vorbei.

Während unser Einzelhandel in der Innenstadt von Baden-Baden um seine Existenz kämpft. Dank einer unerfindlichen CDU und ihrer Rathauspolitik.

Wem nützt das eigentlich?