WER FINANZIERT DAS FESTSPIELHAUS?

06Dezember
2016

Lässt das Land die Stadt Baden-Baden bei der Finanzierung des Festspielhauses im Stich?

Eigentlich ist alles klar mit dem Festspielhaus: Das Programm im Festspielhaus wird über die vielen großzügigen Spender und Stifter finanziert. Es ist ein glanzvolles Programm und alle Baden-Badener sind stolz und dem Team um dem Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser dankbar. Sie machen einen tollen Job! Und auch das Schicksal der Immobilie Festspielhaus ist klar: die Stadt muss sie kaufen, und zwar in 4 Jahren. Doch mit der Immobilie Festspielhaus beginnen die Probleme für Baden-Baden.

Sie machen vor allem den Freien Bürgern für Baden-Baden (FBB) Sorgen, speziell Martin Ernst, der mit seinen Einwänden zur Finanzierung des Kaufes im Gemeinderat auf heftigen Widerstand stieß. Was Ernst Sorge bereitet: die Immobilie Festspielhaus ist nicht nur teuer: sie muss zudem noch „spielbereit“ gehalten werden. Das heißt: laufend renoviert werden. Es geht um Bühnentechnik, um Elektronik, um den allfälligen Verschleiß und um den Anschluss an den Spielstandard der anderen großen Opern- und Konzerthäuser der Welt. Und das alles will die kleine Stadt Baden-Baden schultern? Martin Ernst meint: das ist zu viel für unsere kleine Stadt. Wir übernehmen uns! Da muss es andere Lösungen geben! Denn das Programm des Festspielhauses ist für Baden-Baden extrem wichtig und muss in fast jedem Fall erhalten bleiben.

Es geht bei diesem Streit ums Festspielhaus also ausschließlich um die Immobilie, das Haus selbst. Wie ist das mit den anderen großen Häusern in Deutschland oder in Baden-Württemberg, wer bezahlt sie? Da finanziert immer der Staat mit, einfach schon deshalb, weil so ein Opernhaus in Stuttgart oder Karlsruhe auch von seinem Umland mitgenutzt wird. Ist das etwa in Baden-Baden anders?

Natürlich nicht, denn bisher finanziert auch das Land mit, doch ab 2020 wird die Stadt, wenn nicht ein Wunder angeschoben wird, Kauf und Unterhalt allein finanzieren. Und das kann Baden-Baden nicht. Auch da müsste das Land helfen..

Stuttgart oder Karlsruhe oder Freiburg usw. könnten ihre Musentempel gar nicht unterhalten, wenn der Staat (also das Land Baden-Württemberg) nicht mithelfen würde. Und warum soll dann ausgerechnet das kleine Baden-Baden finanziell in der Lage sein, das viertgrößte Opernhaus der Welt allein zu unterhalten? Nur deshalb, weil seinerzeit in (berechtigter) Panik diese Lösung gefunden wurde zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth und der damaligen Spitze der Stadt? Es musste seinerzeit eine Zwischenlösung gefunden werden, und zwar ziemlich schnell, um das Projekt Festspielhaus zu retten. Also biss man in Baden-Baden in diesen sauren Apfel.

Die Lösung von damals geht ab 2020 ausschließlich zu Lasten Baden-Badens.Doch unsere kleine Stadt ist mit dieser Riesenaufgabe mit Sicherheit überfordert: das Festspielhaus ist ein international beachteter Musentempel, ein berühmtes Opern- und Konzerthaus mit allerbestem Ruf über die Grenzen des Landes Baden-Württemberg hinaus, ein leuchtendes Kulturzentrum, das von tausenden Gästen pro Monat genutzt wird.

Es muss also eine andere Lösung gefunden werden, für diese Immobilie. Man hat sie doch auch für das Programm gefunden (das die Stadt Baden-Baden niemals hätte stemmen können!). Und man muss sie für die Immobilie ebenfalls finden. Die Stadt Baden-Baden würde an den Kosten für das Festspielhaus ersticken (oder sonstige unzählige Aktivitäten einstellen müssen). Wir wissen: das Festspielhaus braucht innerhalb der nächsten 10 Jahre mindestens 40 Millionen Investitionen (Ankauf und Unterhalt zusammen genommen), vielleicht auch mehr.

Die FBB meint: würde die Stadt diese Kosten übernehmen, müssten diese Kosten anderswo in der Stadt eingespart werden. Wo denn? Man mag sich die Diskussion dann über Philharmonie, Theater, Hochschule usw. gar nicht vorstellen.

Hier müssen wir endlich eine Diskussion in der Stadt beginnen: was wollen wir, und was können wir nicht, und womit übernehmen wir uns endgültig. Und hier müssen sofort auf allen Ebenen Verhandlungen mit dem Land aufgenommen werden. Das Land muss nach 2020 mit in jenes Boot, welches das Festspielhaus trägt. Und natürlich sollten vielleicht noch einmal Stifter und Stiftungen gefunden werden, damit das wunderbare Programm und Konzertangebot des Festspielhauses erhalten werden kann.

Normalerweise steckt man in Baden-Baden bei finanziellen Fragen der Zukunft die städtischen Köpfe in den Sand. Doch damit gefährden wir alles. Denn wenn wir mit der Immobilie pleite gehen, dann gibt es auch keine Kultur mehr im Festspielhaus.

Foto: Ben Becher