Beschert uns das Festspielhaus frohe Ostern?

22Januar
2021

Baden-Baden vermisst sein Festspielhaus. Das größte Konzerthaus Deutschlands, das nicht nur von Bürger*innen und Gästen, sondern auch von Weltstars von allerhöchstem Rang hochgeschätzt wird, möchte rechtzeitig wieder öffnen, um 2021 die berühmten Osterfestspiele zu präsentieren.

Zu Silvester grüßten Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa und Thomas Gottschalk live von der Bühne des Kulturtempels. Im Hintergrund: gähnende Leere im Zuschauerraum. Bald möchte das Festspielhaus diese Sitze wieder füllen, am liebsten pünktlich zu den Osterfestspielen mit der Tschaikowsky-Oper „Mazeppa“, so Kommunikationsdirektor Rüdiger Beermann. Aber wie wahrscheinlich ist eine Wiedereröffnung, jetzt, wo Bund und Länder erst einmal bis 14. Februar eine Lockdown-Verlängerung beschlossen haben und die Infektionsraten bedenklich hoch bleiben?

Wiedereröffnung möglich? Die Wissenschaft liefert gute Neuigkeiten

Wie sich die momentane Corona-Situation entwickeln wird, kann derzeit natürlich noch niemand sagen. Mit der nun endlich angelaufenen Impfkampagne dürfen wir jedoch vielleicht endlich wieder wagen, etwas hoffnungsvoller zu werden, was die Wiederinbetriebnahme der kulturellen Einrichtungen betrifft. Überdies sind Konzertsituationen laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts ohnehin eher unbedenklich.

Infektionsrisiko im Konzertsaal: gering

Physiker*innen des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts haben mit spezieller Messtechnik im Dortmunder Konzerthaus untersucht, wie sich Aerosole in Konzertsälen verbreiten und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Bühnenaufführung kein sonderlich großes Infektionsrisiko darstellt, solange die Lüftungsanlage tut, was sie soll und sofern auf eine angemessen Verteilung der Gäste im Zuschauerraum sowie eine ausreichende Belüftung geachtet wird. Da sind sich die Forschenden um den Physiker Prof. Dr. Wolfgang Schade, der die Studie leitete, einig. Nach den Veranstaltungen im Festspielhaus mit begrenzter Zuschaueranzahl im vergangenen Jahr wurden außerdem keinerlei Infektionen festgestellt.

Strikte Regeln seitens der Regierung

Besteht nun also die Möglichkeit, dass Festspielhaus, Theater und andere Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen und man sich endlich bald wieder an Balletten, Konzerten, Theaterstücken, Musicals erfreuen kann? Das bleibt ungewiss. Bisher hat die Bundesregierung wenig Absicht gezeigt, kulturelle Einrichtungen wieder zu öffnen, obwohl sich immer mehr zeigt, mit welch niedrigem Risiko dies verbunden wäre.

Die Seele sehnt sich nach Kunst und Kultur

Nicht nur den Spielstätten wäre mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs gedient: Wer vermisst es nicht, den Saal zu betreten, seinen Sitzplatz zu suchen und sich auf ihm niederzulassen, wem fehlt nicht der Moment der Spannung, wenn endlich das Licht ausgeht und die ersten Töne oder Worte zu den Ohren des Publikums dringen. Ganz klar: Die Seelen der Menschen sehnen sich nach kultureller Nahrung, jetzt mehr denn je. So bleibt zu hoffen, dass sowohl dem Festspielhaus als auch den Menschen durch eine baldige Wiedereröffnung geholfen wird. „Politik kann nie Kultur, Kultur wohl aber Politik bestimmen“, sinnierte unser erster Bundespräsident Theodor Heuss. Von Corona ahnte er natürlich noch nichts.

Rettung durch Land und private Unterstützer*innen

Wie sehr die Baden-Badener*innen das Haus lieben und brauchen, zeigte sich in der bewegenden Solidarität, die dem Festspielhaus in dieser schweren Zeit zuteil wurde: Neben den vier Millionen Euro an Landes-Strukturhilfe spendeten Freunde, Förderer und Stifter in diesem Jahr trotz eines Corona-bedingt stark eingeschränkten Programms schon mehr als die nun vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst bewilligte Strukturhilfe. Sechs Millionen Euro kamen dem Haus im letzten Jahr an Hilfen durch Privatpersonen zu. Allein die Besucher der ausgefallenen Oster-, Pfingst- und Sommerfestspiele überließen dem Haus bis jetzt bereits rund 350.000 Euro an Eintrittsgeldern, die zu Spenden wurden.

Das Festspielhaus bringt zahlreiche Gäste in die Stadt

Die Festspiele und das Festspielhaus bringen der Stadt Baden-Baden und der Region laut Angaben des Festspielhauses unter normalen Voraussetzungen einen jährlichen Kaufkraftzufluss von rund 60 Millionen Euro: Einzelhandel, Hotels und Gastronomen profitieren davon. Auch unter diesem Gesichtspunkt wünschen sich viele Bürger*innen und Geschäftsleute, dass es bald wieder heißt: Vorhang auf!

Foto: Jörg Bongartz/philharmonie.baden-baden.de