Alkoholverbot in der Innenstadt funktioniert

21Juli
2017

In England sind solche Schilder häufig. In Deutschland werden wir uns wohl an sie gewöhnen: Seit dem 16. Mai beispielsweise darf auf offener Straße in der Duisburger Innenstadt niemand mehr Alkohol trinken - ausgenommen sind Biergärten, Gastwirtschaften und Stadtfeste. Der Gemeinderat der Stadt Duisburg hatte die unappetitliche Sauferei in der Innenstadt satt: die Bürger fanden den Anblick der Betrunkenen unerträglich, die Ladeninhaber beklagten sich über Belästigungen, Frauen trauten sich nicht mehr allein auf die Straße. Die stadtbekannten Säufer waren zum Problem geworden; auch deshalb, weil die Duisburger Innenstadt bei den Gästen von auswärts in Verruf kam. Also erklärte der Gemeinderat die Innenstadt zur alkoholfreien Zone. Wer nun seit dem 16. Mai mit einer Bierflasche oder Schnaps trinkend angetroffen wird, hat mit einer saftigen Verwarnung (35,- Euro) und eventuell einem Platzverweis zu rechnen.

Andere Städte in Deutschland hatten es erfolgreich vorgemacht, beispielsweise auch unsere ehemalige Hauptstadt Bonn. Auch dort fühlten sich die Passanten in der Innenstadt durch Angetrunkene Stadtstreicher belästigt, auch dort gab es natürlich erst mal heftige Diskussionen, ob man denn zu einer so rigorosen Maßnahme greifen sollte. Insbesondere die Grünen waren dagegen. Sie waren der Meinung, Verbote nützten nichts, man müsse Alkoholikern mit erst mal mit einer Therapie helfen. Dem widersprachen die Alkoholgegner gar nicht, sie meinten nur, Therapie allein helfe nicht, die Belästigung (und das gelegentliche Anpöbeln) müsse ebenfalls aufhören. Und das schreckliche Problem der Wohnungslosigkeit von den so genannten Pennern löst man nicht mit Therapie: die brauchen ausreichend Unterkünfte für menschenwürdiges Schlafen. Und das eben gibt es nicht ausreichend in Deutschland.

Was also tun? Wir haben bekanntlich in Baden-Baden ebenfalls ein Problem mit angetrunkenen (und dann gelegentlich pöbelnden) Mitmenschen. Der Anblick ist nicht schön, vielmehr für Frauen gelegentlich so erschreckend, dass sie sich nicht mehr in die Nähe trauen. Man könnte also durchaus auch in Baden-Baden für die Innenstadt plus Lichtentaler Allee ein Alkoholverbot aussprechen. Und auch hier kann man Feste, Biergärten oder Gastwirtschaften ausnehmen - es geht ja nicht um einen Feldzug gegen Alkohol, sondern darum, die Stadt für jedermann jederzeit begehbar zu machen. Auch bei uns kommt es gelegentlich zu unschönen Szenen (wir berichteten über die Vorkommnisse auf dem Augustaplatz) mit aggressiven Bettlern und angetrunkenen Stadtstreichern, die sich nicht gerne von ihren Plätzen vertreiben lassen.

Ein glasklares Verbot von Saufereien in der Öffentlichkeit schafft da Klarheit. Und wie man inzwischen erleichtert in Duisburg feststellte: das Alkoholverbot funktioniert! Die Saufereien in der Öffentlichkeit haben drastisch nachgelassen, die Stadt gehört wieder überwiegend ihren nüchternen Bürgern.

Foto: Ben Becher